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Autor Thema: Wann und wie Anti-D-Prophylaxe nach Notfalltransfusion von 0 Rh-positiven EK?
Gelöscht
Gelöscht



  erstellt: 13. März 2012 23:39    zitat   
Folgende Frage:
In meiner Klinik soll ein Blutdepot im Schockraum eingeführt werden. Darin sind immer 4 EK mit Blutgruppe 0 Rh pos..
Wenn nun eine gebärfähige, Rh-negative Frau im Schockraum, nach strenger Risikoabwägung, mit diesen Notfall-EK transfundiert wird stellt sich die Frage: Wann führen wir die Anti-D-Prophylaxe durch? Welche Dosis ist richtig? Hat jemand Erfahrung mit den empfohlenen hohen Dosierungen?

Kennt irgend jemand eine Klinik die anstatt 0 Rh neg. Konserven 0 Rh positive geplant für den Notfall im Schockraum vorhält?

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Schanzst
3

ID # 8

  erstellt: 18. März 2012 15:50    zitat    pm   mail  
siehe auch diese Forum unter:
http://www.iakh.de/Forum/index.php?mode=viewthread&forum_id=4&thread=75
und
http://www.iakh.de/Forum/index.php?mode=viewthread&forum_id=4&thread=80

Eine Anti D Prophylaxe ist wirksam für eine kleine Menge an Blut, wie es bei der fetomaternalen Übertragung unter der Geburt oder bei einer Transfusion von Thrombozytenkonzentraten aus Pool auftreten kann.

Hier wurde aber bewusst eine viel größere Menge transfundiert, so das man entsprechend eine Unmengen an Anti Rh D Plasma transfundieren müstte, um genau zu sein 10 Ampullen Rhophylax.

Zitat aus der Fachinfo Rhophylax: "Die empfohlene Dosis beträgt 20Mikrogramm (100 IE) Anti-D Immunglobulin pro 2ml des transfundierten Rh(D)-positiven Blutes oder pro 1 ml des verabreichten Erythrozytenkonzentrats. Die adäquate Dosis sollte nach Rücksprache mit einem Transfusionsspezialisten bestimmt werden.
Tests zum Nachweis von Rh(D) positiven Erythrozyten sollten alle 48 Stunden wiederholt werden und Anti-D Immunglobulin sollte so lange verabreicht werden, bis keine Rh(D)-positiven Erythrozyten mehr im Blutkreislauf nachweisbar sind. Eine Gesamtdosis von 3.000Mikrogramm (15.000 IE) wird auch dann als ausreichend angesehen, wenn mehr als 300 ml Rh(D)-positives Blut transfundiert wurden. Es wird die intravenöse Injektion empfohlen, da dadurch sofort ein adäquater Plasmaspiegel erreicht wird. Im Falle einer intramuskulären Anwendung sollten die großen Dosen über mehrere Tage verteilt verabreicht werden." Zitat Ende.

Die transfundierten Erythrozyten sind aber noch für die Sauerstoffversorgung vital notwendig und deren (Hämo)Lyse wäre möglicherweise, entsprechenden einer Fehltransfusion bei positiven AKS z.B. bei einem Rhesusantikörper lebendsbedrohlich mit Schock und Nierenversagen.(Wenn Rh Antikörper harmlos wären müssten wir sie ja nicht beachten, das Präparat wird ja aus dem Plasma von immunisierten Spendern gewonnen d.h. die sind AKS positiv)

In der Literatur findet man den Vorschlag, und auch Fallbeispiele, in der nach einer Vital notwendigen Transfusion von Rh positivem Blut an Rh negative Patientinen eine Austauschtransfusion vorgenommen wurde als wieder ausreichend Rh negatives Blut verfügbar war.

Wenn das so leicht machbar wäre würde ich aber eher vorschlagen die Rh positiven Konserven im Schockraum um Rh negative Konserven zu ergänzen.

Die Transfusion von 0 Blut (negativen wie positiven) blind im Schockraum sollte wirklich nur in höchster Not erfolgen. Besser ist es mit BG gleichen Blut zu transfundiern, auch wenn man im Labor dafür nur einen Schnelltest macht und die reguläre BG dann in Ruhe ansetzt.

Und wenn man dann einmal von Rh negativ auf positiv umgestellt hat würde ich immer bei der Blutgruppe Rh pos. bleiben bis der Direkte Coombs positiv wird oder der Patient so lange nicht transfundiert wurde das in seinem Blut keine Rh positiven Zellen mehr nachweisbar sind.

Zitat aus den Richtlinien 4.3.5: "Wegen des Mangels an Rh negativem (D negativ) Blut lässt sich die Übertragung von Rh positiven (D positiv) Erythrozytenpräparaten an Rh negative (D negativ), nicht immunisierte Patienten nicht immer vermeiden. Eine solche Übertragung sollte jedoch nur in Betracht gezogen werden, wenn die Transfusion lebenswichtig ist (z. B. bei Massivtransfusionen) und Rh negative (D negativ) Erythrozytenpräparate nicht zeitgerecht beschafft werden können und wenn es sich um nicht gebärfähige Frauen oder um Männer handelt. Rh negative (D negativ) Erythrozyten können Rh positiven (D positiv) Empfängern übertragen werden, wenn keine Unverträglichkeit infolge von Rh-Antikörpern besteht.
Bei Rh D negativen Mädchen sowie Rh D negativen gebärfähigen Frauen ist die Transfusion von Rh positiven (D positiv) Erythrozytenkonzentraten (mit Ausnahme von lebensbedrohlichen Situationen) unbedingt zu vermeiden. Die Dringlichkeit der Indikation, für die der transfundierende Arzt die Verantwortung trägt, ist zu dokumentieren.
Bei einer Transfusion von Rh positiven (D positiv) Präparaten auf Rh negative (D negativ) Patienten hat der weiterbehandelnde Arzt eine serologische Untersuchung 2–4 Monate nach Transfusion zur Feststellung eventuell gebildeter Antikörper zu veranlassen. Bei Nachweis entsprechender Antikörper hat eine Aufklärung und Beratung der Betroffenen sowie Eintragung in einen Notfallpass zu erfolgen (s. Abschn. 4.2.5.8).
Mädchen sowie gebärfähige Frauen sollten keine Erythrozytenkonzentrate erhalten, die zu einer Immunisierung gegen Antigene des Rh-Systems oder den Kell-Faktor führen können." Zitat Ende

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St. Schanz
Anästhesie und Notfallmedizin, Bluttransfusionswesen
Loßburg Schömberg

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