Monoklonale Antikörper zur Therapie von Plasmozytom stören Antikörpersuchtest

06.10.2016 00:00

Myelompatienten unter monoklonaler Antikörpertherapie haben auch noch Wochen nach Therapieende einen positiven AKS

Das Medikament heißt Daratumumab (Darzalex@) und ist seit Januar 2016 in Deutschland zur hochwirksamen Behandlung des Plasmozytoms im rezidivierten Stadium zugelassen. Es verbessert das 12- als auch das 18- Monats-Überleben um 60-80%!

Das Medikament bindet als monoklonaler AK an das Antigen CD38 und wirkt über die Komplementaktivierung zytotoxisch durch die Herbeiführung von Phagozytose/Apoptose. CD 38 wird zwar schwächer, aber auch auf Erythrozyten exprimiert, was möglicherweise zur klinisch bislang nur selten beobachteten relevanten Hamolyse führen kann. 

Daratumumab stört nachweislich bis zu 6 Monaten nach der letzten Applikation den indirekten Antiglobulin-Test, also den Antikorpersuchtest und die AK-Differenzierung. Die Reaktionen sind mäßig stark und sehr variabel, haben oft unerwartet hohe Titer und sind schlecht absorbierter. Somit ist es schwierig, zusatzliche Allo-AK zu entdecken und negative Verträglichkeitsproben beim Austesten von verträglichen Konserven zu erhalten. Nicht gestört sind die Blutgruppenbestimmung inkl. RH- und Kell- Formel, weitere Blutgruppen-Antigene, der Direkte Agglutinations-Test DAT und die Eigenkontrolle. Zum Ausschluss bzw. Berücksichtigung von bereits vorliegenden Allo-Antikörpern ist also zu beachten, dass bereits vor Therapie-Beginn mit Daratumumab die Blutgruppe bestimmt und immunologisch wichtige Blutgruppenantigene festgestellt werden sollen.

Um klinisch relevante anti-erythrozytäre Allo-AK unter der Therapie mit Daratumumab zu erkennen, werden die Test- und Präparateerythrozyten vorbehandelt werden, um die Bindung von Daratumumab an CD-38-AG zu unterbinden. Eine AKS-Testdauer von > 60 min muss eingeplant werden. Dabei werden aber auch Bindungsstellen anderer Antikörper von z.B. Anti-Kell oder Anti-Kp(a) zerstört. Selbst bei negativem Ergebnis des AKS müssten die Patienten also mit Konserven versorgt werden, die Kell- bzw. Kp(a)-negativ sind.   

Die Vorbehandlung mit Daratumumab muss UNBEDINGT bei Anforderung der Konserven dem immunhämatologischen Labor mitgeteilt werden!!!

Die DGTI hat zum 1.7.2016 eine Empfehlung zum Vorgehen bei serologischen Störungen durch Daratumumab verfasst (Link).

Beschrieben ist das Problem bereits 2015 in TRANSFUSION:

  • Oostendorp M, et al.  When blood transfusion medicine becomes complicated due to interference by monoclonal antibody therapy. Transfusion 2015; 55: 1555-1562 Pubmed
  • Chapuy CI, et al. Resolving the Daratumumab Interference with Blood Compatibility Testing. Transfusion, 2015:55:1545-54 Pubmed

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