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Autor Thema: Bestellung als Transfusionsverantwortlicher
BHGEU
ist neu hier
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ID # 445


  Erstellt am 31. März 2018 17:03 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Liebe Mitglieder des Forums,

die Geschäftsführung unseres Krankenhauses (kommunal, 2 Standorte, 800 Betten)hat mich gebeten, die altersbedingte Nachfolge des aktuellen Transfusionsverantwortlichen zu übernehmen. Vertragliche Zusatzabsprachen sind bisland nicht geführt, dies sollte aktuell noch erfolgen

Nun sind die Aufgabe des TV mit Zusatzaufgaben außerhalb meiner eigentlichen Klinik mit zeitlichem Aufwand und zusätzlicher Verantwortung verbunden
Im Forum der IAKH habe ich eine kurze Diskussion aus dem Jahr 2003 und aus dem Jahr 2017 gefunden, in der es um die Vergütung, Freistellung und Versicherungen als TV ging.
Konkrete Angaben zu diesen Theman gab es aber nicht.

Ich möchte mich daher hier erkundigen, ob es evtl. Erfahrungen / Daten gibt, wie man Verhandlungen mit der Geschäftsführung zu diesen Themen sinnvoll gestalten könnte, um dem realen Zusatzaufwand darstellen zu können

Danke an Alle
und Frohe Ostern!

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Wenn einer nicht mehr mit dir redet, dann will er damit etwas sagen. (Joachim Panten (1947 - 2007), deutscher Aphoristiker und Publizist)

Beiträge: 2 | Mitglied seit: März 2018 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 05. April 2018 09:09 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Lieber Forum-Nutzer,
Sie werden an der Antwort sehen, dass Ihre Frage nicht so einfach zu beantworten ist, aber natürlich wollen wir mit Ihnen reden!
Ich zitiere aus dem noch unveröffentlichten Entwurf der Stellungnahmen und Empfehlungen der IAKH: Vergütung und Zeitbedarf eines klinik-internen Transfusionsverantwortlichen

Zeitbedarf
Der Zeitbedarf sollte anhand einer Probephase individuell und für die jeweilige Einrichtung ermittelt werden. Er variiert je nach Zustand und Qualität der Hämotherapie*. Der Zeitbedarf des Transfusionsverantwortlichen an einem mittelgroßen Haus mit 400 Betten (an einem Standort) ist zwar abhängig von der vorhandenen Struktur der Hämotherapie (Welche Bereiche der Hämotherapie sind aufgrund des Schwerpunkts der Klinik vorhanden? Wie ist der Plasma- und Blutprodukteverbrauch? Wie ist die Qualität (etabliert, gepflegt, alles strukturiert)?). Der Zeitbedarf, um diese Arbeit qualitativ richtig auszuführen, ist deshalb variabel, beinhaltet aber grundsätzlich die Elemente 1. -9.. Diese Aufgaben eines Transfusionsverantwortlichen erwachsen einerseits auf der Basis der Richtlinie Hämotherapie 2017, andererseits und zusätzlich an kleinen und mittleren Häusern aus der Übernahme anderer Strukturen wie der Transfusionskommission und des TB (will es an kleineren Häusern nur beschränkt die Möglichkeit zur Delegation gibt und deshalb Aufgaben des TB wie Abteilungs-Fortbildung und Einweisung vom TV selbst bewerkstelligt werden muss ( Quelle:Umfrage der IAKH zum Zeitbedarf von TV und TB 2012)).

Die folgenden Angaben müssen an die jeweilige Einrichtungsgröße, Anzahl der Standorte (pro zusätzlichem Standort die Summer der Betten und Transfusionen nochmalig plus 20% für den Ortswechsel).
Prinzipiell ermittelt sich der Zeitbedarf nach den gesetzlich formulierten Aufgaben (https://www.iakh.de/wir-ueber-uns.html):
Aufgabe
Wochenzeitbedarf pro 400 Betten/ 150 Transfusionen im Jahr* -----(h/Woche)
1.Gesetze, Verordnungen, Richtlinien, Leitlinien und Empfehlungen in der gesamten Einrichtung und allen Abteilungen, eigene Fortbildung -----2,0-2,5
2.Erstellung von einrichtungs- und fachspezifischen Regelungen und Schulungen zur Anwendung von Blut und Blutprodukten auf dem Boden der Querschnitts-Leitlinien der Bundesärztekammer zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten in der jeweils gültigen Fassung und der aktuellsten Richtlinie Hämotherapie------0,5-1,0
3.Unterstützung eines Konzepts zur Patienten-individualisierten Hämotherapie (Patient Blood Management)-----1,0-4,0
4.Gewährleistung der einheitlichen Organisation bei Vorbereitung und Durchführung von hämotherapeutischen Maßnahmen (u.a. durch die Veranstalung von Fortbildungsmaßnahmen, Selbstinspektionen und internen Audits gemäß Umfrage IAKH 2012)-----0,5- 1,0
5.Fortentwicklung des Qualitätssicherheitssystems der Hämotherapie, Meldewesen, QM-Handbuch -----0.5-1,0
6.Regelung und Betreuung der qualitätsgesicherten Bereitstellung der Blutprodukte/Blutdepot und der Immunhämatologie (falls zuständig) -----0.2
7.Konsiliarische Beratung bei der Patientenbehandlung mit Blutprodukten -----0,2-0,4
8.Einberufung und Leitung der Transfusionskommission, Teilnahme an Qualitätszirkel Hämotherapie, Peer Review Hämotherapie -----0.5
Mindest-/Maximalsumme -----5,4/10,6


Form:
Die Beauftragung sollte als interner oder externer Mitarbeiter vertraglich vereinbart sein. Ein Mustervertrag für externe TV ist vom Berufsverband deutscher Transfusionsmediziner BDT ins Netz gestellt: http://www.bdtev.de/wp-content/uploads/2011/11/Mustervertag-Transfusionsveratwortlicher.pdf. Er kann und soll modifiziert und aktualisiert werden, auch für die interne Beauftragung.


Vergütung:
Die Vergütung der Verantwortlichkeit ist ein Erfolgskriterium. Die lediglich formale Bestellung eines in der Sache eher passiven Mitarbeiters wird der Verpflichtung der Einrichtung nicht gerecht. Außerdem ist es für die Zeugniserstellung und Bestätigung der Tätigkeiten /Weiterbildungsqualifikationen notwendig, sowohl den zeitlichen Aufwand als auch die angemessene Vergütung zu bestätigen.
Aus dem überschlagenen Zeitbedarf ergibt sich eine Vereinbarungsgrundlage aus einem Mix an Freistellung während der Arbeitszeit oder die zusätzliche Übernahme der Funktion in vollem Umfang außerhalb der Arbeitszeit (= der 100% igen Vergütung eines externen Experten).
Bei Übernahme dieser Zusatzfunktion innerhalb der Arbeitszeit sollte die Höhe der Vergütung mit 15-25% des der Leistungsebene angemessenen Stundenmittels zuzüglich einer von der IAKH empfohlenen Zielvereinbarung (beispielsweise das erfolgreiche Abschneiden bei einem Audit oder dem Peer Review Hämotherapie) erfolgen. Ebenso zuzüglich der Vergütung des Haftungsrisikos in Höhe der Versicherung, wenn diese nicht von der Klinik übernommen wird (die Übernahme der Versicherung durch die Einrichtung wurde bereits 2006 von uns empfohlen) ( http://www.iakh.de/forum/index.php?mode=viewthread&forum_id=78&thread=11). Die Übernahme der 24/7 ? Verantwortung ist mit einem zusätzlichen Gehaltsanteil als Sockelbetrag (z.B.: 100-200€/Monat) zu vergüten, da die zeitlich ausgedehnte Erreichbarkeit aufgrund der Charakteristik der Blutprodukte-Verabreichung ebenfalls abgedeckt sein muss.
Bereits 2006 hat die IAKH Mindest- Stundensätze (Aktivzeit) für Transfusionsverantwortliche von 50-90€/h empfohlen. Da Aufgaben und die Verantwortung durch die jüngste Novelle der Richtlinie eher gestiegen sind, empfehlen sich 2018 eher Mindeststundensätze von 120-150€ (für ein kleines Haus mit 150 Betten bzw. Verbrauch von bis zu 50 Eks per anno).
Alternativ bietet sich auch eine Anlehnung an die in der Industrie üblich Entlohnungen bei externen Datenschutzbeauftragten (350-500mtl. zuzügl. Mehrwertsteuer) ( http://www.dataguard.de) oder Strahlenschutzbeauftragten (http://www.strahlenschutz.de/leistungsbeschreibung.html)an, die zudem keine Verantwortlichkeit übernehmen, sondern nur "Beauftragt" werden.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

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BHGEU
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ID # 445


  Erstellt am 09. April 2018 18:39 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrter Prof. Frietsch,

ganz herzlichen Dank nochmals für Ihre ausführliche Darstellung im Forum

Sie beziehen den wöchentlichen Zeitbedarf auf ein Krankenhaus mit 400 Betten und 150 Transfusionen im Jahr
Wir haben doppelt soviele Betten, zwei Standorte und ca. 5000 Transfusionen im Jahr, zzgl. der Transfusion von Thrombocytenkonzentraten und FFP`s
Wie würden Sie hier den Zeitbedarf pro Woche adaptieren?
Würden Sie mit der Zahl 2 multiplizieren?
Für mich persönlich sind Krankenhäuser mit 400 Betten und lediglich 150 Transfusionen schwer vorstellbar

Sie beziehen den monatlichen finanziellen Mindeststundensatz bei 120-150 € pro Stunde. Bezogen wird diese Summe auf ein Krankenhaus mit 150 Betten und 50 Transfusionen pro Jahr. Auch hier möchte ich anfragen, wie Sie diese Summe auf meine Rahmenbedingungen umrechnen würden

In Ihren einleitenden Worten beschreiben Sie die Ergebnisse einer Umfrage der IAKH aus dem Jahr zum Zeitbedarf des TV bzw. TB aus dem Jahr 2012. Ist diese Umfrage zitierbar, bzw. wurde diese publiziert?

Ich würde mich freuen, wenn Sie die Zeit finden, meine Fragen zu beantworten

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tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 10. April 2018 10:50 (#4)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Ja, ich würde zur Anpassung an die doppelte Bettenzahl und wesentlich mehr Transfusionen mal 2 multiplizieren, und je nach dem "Reiseaufwand" zwischen beiden Häusern auch noch ein wenig mehr.
Der Stundensatz bleibt meiner Ansicht der gleiche, auch wenn sie für erheblich mehr Transfusionen die Verantwortung übernehmen. Stundensätze entlohnen die geleistete Arbeit pro Zeit. Wenn Sie aber ein Fettgehalt beziehen und bereits bei dem Arbeitgeber in Lohn und Brot stehen, fällt der Extrastundensatz nur dann an , wenn Sie nach der eigentlichen Arbeitszeit daran arbeiten.
Der Sockelsatz für die "Rufbereitschaft" wird natürlich in einem großen Versorger an 2 Standorten ebenfalls um den Faktor 2 gesteigert werden müssen, da Sie häufiger gerufen werden.
Die Umfrage ist als Vortrag für Mitglieder der IAKh auf unserer Webseite veröffentlicht und downloadbar, aber nie veröffentlicht.
Ich hoffe, Ihnen mit dieser Darstellung weiter geholfen zu haben.
Die IAKH wird auch zu diesem Thema eine Stellungnahme und Empfehlung zur Vergütung veröffentlichen (dann auf der entsprechenden Sektion "Stellungnahmen" auf unserer Webseite).

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

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