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Autor Thema: Blut-Plasma-Zwischendepot
jogo
ist neu hier
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ID # 301


  Erstellt am 07. Juli 2011 12:35 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrte Kollegen,
unser Krankenhauslabor und Blutdepot schließt täglich von 20.00 bis 7.00 Uhr, das heißt Blutprodukte müssen je nach Dringlichkeit im nächst gelegenen DRK Depot bestellt werden. Transport und Laboruntersuchungen nehmen zwischen 30 und 120 Minuten in Anspruch. Aufgrund nächtlicher Op Tätigkeit (extrathorakale und extrakranielle Gefäßchirurgie) wurde ein Notfall-Zwischendepot für Erythrozyten- und GFP eingerichtet. Wer kann mir Richtlinien, Vorschriften für die Lagerung von gefrorenen Frischplasmen nennen ? Die RiLi der BÄK und des Europarates scheinen sich bezüglich der Lagertemperatur zu widersprechen. Wielange ist es möglich gefrorene Frischplasmen im Zwischendepot bei 24°C zu lagern ?

Beiträge: 4 | Mitglied seit: Juli 2011 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 18. Juli 2011 17:39 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Die Lagerungsrichtlinien für gefrorenes Frischplasma laut Querschnittsleitlinien der
Bundesärztekammer Kap. 4.3 sehen die Aufbewahrung in geeigneten Tierfkühleinrichtungen bzw.
Kühleinrichtungen vor, die mit laufender Messung und Temperaturregistrierung sowie einer
Alarmeinrichtung versehen sind. Der Temperaturbereich ist (Minus) - 20°C bis - 40 °C.
Eine Lagerung von aufgetautem Frischplasma ist aufgrund der bakteriologischen
Kontaminationsgefahr auf 6 Stunden begrenzt. Eine Lagerung von GFP bei +24 °C ist somit
bei Einhaltung der in Deutschland gültigen Leitlinien nur maximal geschätzte 10h möglich,
bei -24°C (-20°C bis -40°C) in einem geeigneten Gefrierschrank beträgt die Lagerzeit 12
Monate. Den jeweiligen Herstellern ist die Ausformulierung ihrer Rücknahmebedingungen (AGBs) freigestellt.
Die Ausnahmeregelung der Lagerung bei Plustemperaturgraden (Lagertemperatur bei Plus + 4°C bis +25°C) betrifft nur
lyphilisiertes Plasma "LPH"- (Die Klammer im Orginaltext der Querschnittsleitlinien bezieht
sich offensichtlich auf das vorangehende LHP).
Die britischen bzw. europäischen Richtlinien sehen eine Verwendung von aufgetautem und
bei 4°C gelagertem Frischplasma von 24 h vor. Dies ist ohne wesentliche Einbuße der
Gerinnungsaktivität vieler Faktoren möglich (Transfusion Medicine, Volume 17, Issue 3,
pages 182–186, June 2007). Dies ist in unseren deutschen Richtlinien nicht erwähnt,
sollte aber wegen der selten auftretenden, aber dann zum Teil dramatischen Folgen einer
Besiedelung mit Erregern, die sich bei 4°C vermehren (z.B. Listerien) unterbleiben.
Beantwortet das ihre Frage?

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

Beiträge: 271 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 02. Januar 2012 18:21 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Beim Lesen habe ich feststellen müssen, dass meine Fragestellung ans Forum bezüglich der Lagerung von GFP nicht ganz eindeutig war.
Mich interessierte die mögliche Dauer der Lagerung von GFP bei einer Lagertemperatur von -(minus)24°C!
Unser Zwischendepot-Blut im Op Bereich besteht aus einem kleinen Blutkühlschrank mit "Notfallkonserven" und einem Tiefgefrierkühlschrank (alle beide ausgerüstet mit Alarmeinrichtung für Temperaturüber bzw. -unterschreitung, erschütterungsfrei aufgestellt etc. etc.), der allerdings nur bis -(minus)24°C kühlen kann und damit keine Temperaturen von -(minus)30°C erreichen kann.
Unser Transfusionsverantwortlicher und ärzliche Leiter des Blutdepot bzw. Labor weist auf die widersprüchlichen Angaben in den RiLi des BÄK und des Europarates hin, deshalb wandte ich mich an das Forum der IAKH, in der Hoffnung hier eine Auskunft und Quellangabe über die Lagerung von GFP bei -(minus) 24°C zu erfahren. Können Sie mir da weiterhelfen ?

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

Beiträge: 271 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 02. Januar 2012 18:23 (#4)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrter Herr Kollege,

für die Anwender in Deutschland sind die Richtlinien der Bundesärztekammer verbindlich, insofern ist der in ihrer Einrichtung genutzte Tiefkühlschrank nicht für die Lagerung von GFP geeignet!



Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ralf Knels

Beiträge: 271 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert
Schanzst
kommt regelmäßig her
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ID # 8


  Erstellt am 17. Januar 2012 05:21 (#5)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Zweite Richtlinienanpassung 2010 Hämotherapie-Richtlinien nach §§ 12 a und 18 TFG

4.1 Transport und Lagerung in der Einrichtung der Krankenversorgung

Eine Rücknahme von nicht angewendeten Blutpräparaten ist nur bei Einhaltung der entsprechenden Lagerungs- und Transportbedingungen möglich (s. Tab. 4.1).

Gefrorenes Frischplasma
Lagerung: unter – 30 °C (Abweichungen von + 3 °C sind zulässig)
Transport: tiefgefroren

Meine Informationen aus: Transfusionsmedizin - Klinische Hämotherapie- Kurzlehrbuch für Klinik und Praxis
Das Klinische Lehrbuch von G. Wittenberg-Rump, H. Gombotz, V. Kretschmer, rezensiert von T. Frietsch, Marburg

GFP muss unter -25°C gelagert werden um die Qualität über längere Zeit zu erhalten. Bei der Temperatur von -23°C liegt der eutektische Punkt bei der die Proteine durch die Entstehung von Salzgradienten geschädigt werden.


Auf Dauer ist eine Lagerung unter -27°C notwendig, aber wenn die Produkte im OP für ein paar Stunden zwischegelagert werden unterliegen sie keiner anderen Temperatur als wenn sie vom Blutspendedienst im Tiefkühlfach - 10°C einen Tag durch die Republick transportiert werden. Dabei darf das Produkt nur nicht auftauen.

Pragmatische Lösung: Rücknahme der Produkte bei kurzfristiger, unter 8 Stunden Lagerung, in dem temperaturüberwachten Tiefkühlschrank, wenn erkennbar ist, dass es nicht aufgetaut wurde. Geprüft wird das, indem die durch den Kontaktfreezer entstandene flache Form erhalten sein muss. Das war auch in der Blutbank in der ich gelernt habe Usus, dass die FFP für die Ausgabe an einem Tag dafür in einem Tiefkühler mit mehr als -27°C Temperatur zwischengelagert wurde.

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St. Schanz
Anästhesie und Notfallmedizin, Bluttransfusionswesen
Loßburg Schömberg

Beiträge: 141 | Mitglied seit: Juli 2003 | IP-Adresse: gespeichert



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