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Autor Thema: Blutgruppenmerkamal "Kell"
vbarth
ist neu hier
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ID # 356


  Erstellt am 19. Februar 2012 20:12 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Hallo,

bei welchen Patienten muss ich das Bluttgruppenmerkaml "Kell" bestimmen, nur bei Kindern und Frauen im gebärfähigen Alter oder bei allen Patienten?
Vielen Dank im voraus für die Hilfe

V. Barth

Beiträge: 2 | Mitglied seit: Februar 2012 | IP-Adresse: gespeichert
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ID # 5


  Erstellt am 20. Februar 2012 17:26 (#2)  |  Zitat Zitat
Das Kell-Antigen ist stark immunogen. In praxi reicht aus eigener Erfahrung bei Kell-negativen Patienten die Transfusion von ein bis zwei Kell-positiven Ek aus, um eine Anti-Kell-Bildung auszulösen.
Kretschmer/Gombotz/Rump beschreiben, dass ein bis zehn Prozent der Kell-negativen Personen nach Transfusion von Kell-positivem Blut ein Anti-Kell bilden.
Anti-Kell ist nach den Antikörpern des Rhesus-Systems der wichtigste transfusionsrelevante Antikörper (W.A. Flegel et F.F. Wagner).
Alle Ek sind hinsichtlich des Kell-Antigens deklariert.
Im Interesse der Patienten ist es daher empfehlenswert, bei allen Patienten im Rahmen der Blutgruppenbestimmung das Kell-Antigen mitzubestimmen und entsprechend auch zu berücksichtigen.
Da 91,8 % der Spender Kell-negativ sind, dürfte das Angebot Kell-negativer Ek ausreichend sein.
Die Transfusion Kell-positiver Ek bei Kell-negativen Patienten ist, solange kein Anti-Kell vorliegt, nicht unbedingt ein Fehler, kann sich aber für den Patienten wegen einer evtl. Antikörperbildung als nachteilig erweisen.

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Schanzst
kommt regelmäßig her
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ID # 8


  Erstellt am 09. März 2012 07:15 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Die Berücksichtigung von Antigenmustern ist eine schon lang diskutierte Strategie, scheitert aber im normalen Leben an vielen Hindernissen.

Für ein kleines Depot ist es sehr schwer alle Patienten Antigen kompatibel zu versorgen, auch wenn die Rhesus Antigene und Kell ausgewiesen werden. Primär müsssen Frauen vor der Menopause Antigenkompatibel versorgt werden um einen Morbus hämolyticus neonatorum vorzubauen. Da werden schnell die Kell negativen Konserven genutzt, auch wenn die Patientin Kell positiv ist. Und schon haben die vorhandenen Konserven nicht mehr die Verteilung wie die Patienten und irgend ein Patient muss dann die Kell positiven einstecken, wir dürfen sie ja nicht verfallen lassen.

Und warum sollen wir nur Rh und Kell System berücksichtigen, viel gefährlicher ist ein Kidd Antikörper der rasch nach der Immunisierung wieder nicht nachweisbar ist und dann bei Boosterung eine verzögerte hämolytische Reaktion macht. Das selbe gilt auch für weitere Antigene, wo ist da die Grenze?

Der Aufwand alle Patienten Antigen ausgewählt zu versorgen (d.H. alle Patienten müssen Rh und Kell ausgetestet werden und ich muss mehr Konserven nachordern um die richtige Antigenkonstelation zuordnen zu können) ist höher, als der Aufwand wenn mal ein Antikörper im Rh/Kell Bereich auftritt und ich dann eine Differenzierung anstreben muss um weitere Antikörper auszuschließen.

Das sind alles Argumente warum die Richtlinien bewährt sind, die besagen:

4.2.2 Untersuchungsumfang
Patienten mit vorhersehbar langzeitiger Transfusionsbehandlung oder nachgewiesenen Auto- bzw. irregulären Alloantikörpern sollten nach Möglichkeit Rh-Formel- und Kell-ausgewählt bzw. -übereinstimmend transfundiert werden

4.3.5 Transfusion von Erythrozytenkonzentraten
Mädchen sowie gebärfähige Frauen sollten keine Erythrozytenkonzentrate erhalten, die zu einer Immunisierung gegen Antigene des Rh-Systems oder den Kell-Faktor führen können

Alle anderen Patienten werden nur auf Rh D getestet und es hat sich im kleinen Depot bewährt die Kell positiven Konserven möglichst rasch zu transfundieren (an Männer), um für die Frauen genug Antigen negative Konserven zu haben. Die Strategie alle Patienten Antigen auszutesten und kompatibel zu versorgen ist ein Luxus, den nur große Depots leisten können.

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St. Schanz
Anästhesie und Notfallmedizin, Bluttransfusionswesen
Loßburg Schömberg

Beiträge: 141 | Mitglied seit: Juli 2003 | IP-Adresse: gespeichert
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ID # 5


  Erstellt am 09. März 2012 18:58 (#4)  |  Zitat Zitat
Aus der Sicht eines kleinen Depot und eines kleinen Krankenhauses sind die Ausführungen von Herrn Schanz richtig und nachvollziehbar.

Trotzdem ist das Kell-Antigen stark immunogen und das Anti-Kell nach den Antikörpern des Rhesus-System der wichtigste transfusionsrelevante Antikörper.

Die gedankliche Einbeziehung des Kidd-Systems in diese Diskussion ist m.E. nicht zielführend. Das Kidd-Antigen ist weniger immunogen und Anti-Kidd weniger häufig. Die Antigenaustestungen im Kidd-System sind zumal kostenintensiver.
Das alle Ek im Kell-deklariert sind, vereinfacht es die Verfahrensweise.

Die Richtlinien fixieren nur ein Mindestmaß an Standards.
Daher muß jedes Krankenhaus in Abhängigkeit von der Versorgungssituation, der Depotgröße und den Erfahrungen der Verantwortungsträger für sich selber entscheiden, wieviel Prophylaxe in der Transfusionsmedizin es sich leisten kann.

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