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Autor Thema: Bedsidetest von A zu AB
Hbl.
ist neu hier
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ID # 413


  Erstellt am 06. November 2015 16:04 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
ich möchte Ihnen von einem immunhämatologischen Problem berichten, mit dem wir uns kürzlich befassen mussten:

89 jähriger Patient mit oberer gastrointestinaler Blutung. Die Blutgruppe des Patienten war durch einen früheren Aufenthalt in unserem Klinikum bekannt. Die Kontrollantigenaustestung bestätigte die Blutgruppe A, Rhesus D positiv.

Der Antikörpersuchtest war negativ, die Verträglichkeitstests für zwei Erythrozytenkonzentrate (EK) waren unauffällig.


Dem Patienten wurde ein kompatibles EK der Blutgruppe 0 transfundiert. Der zuvor durchgeführte Bedsidetest bestätigte die Blutgruppe A .

Am Folgetag sollte dem Patienten ein weiteres EK transfundiert werden. Der in diesem Zusammenhang durchgeführte Bedsidetest führte wiederholt zu dem Ergebnis der Blutgruppe AB. Eine Patientenverwechselung war sicher ausgeschlossen.

Zur weiteren Klärung bestimmten wir die Blutgruppe des Patienten noch einmal vollständig.
Die Antigenaustestung entsprach der Blutgruppe A. Bei der Bestimmung der Isoagglutinine erhielten wir positive Ergebnisse für Anti-B, wie zu erwarten war, aber auch deutlich positive Ergebnisse für Anti-A1, Anti-A2, und Anti-H. Normalerweise dürfen bei der Blutgruppe A jedoch nur Isoagglutinine der Spezifität Anti-B nachweisbar sein.

Weitere Austestungen wurden an ein Labor des versorgenden Blutspendedienstes abgegeben. Dort wurde der Antikörper Anti-I aus dem Blut des Patienten differenziert.

Dieser Antikörper hat sein Wirkungsoptimum bei Raumtemperatur. Bei Körpertemperatur ist er in der Regel nicht relevant und kaum nachweisbar. Das korrespondierende Antigen I liegt bei nahezu allen Erwachsenen als Grundsubstanz für die Merkmale A, B, und H auf der Erythrozytenmembran vor.

Unsere Überlegung ist, dass der Patient einen Antikörper Anti-I gebildet hat, der mit der Grundsubstanz I der Blutgruppen A, B, und H reagiert. Damit wäre der Nachweis der Isoagglutinine Anti-A1, Anti-A2 und Anti-H falsch positiv, da hier offensichtlich eine Reaktion des Anti-I mit dem Antigen I der Testerythrozyten der Blutgruppen A1, A2 und 0 stattgefunden hat.

Eine wirklich zufriedenstellende Erklärung für das veränderte Ergebnis des Bedsidetests haben wir leider noch nicht.



Gibt es Ideen zu diesem Fall?

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Hbl.

Beiträge: 3 | Mitglied seit: November 2015 | IP-Adresse: gespeichert
fleiter
kommt regelmäßig her
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ID # 107


  Erstellt am 08. November 2015 14:48 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Hallo,
Im Gegensatz zu den Testungen im Labor wird der Besdsidetest mit Vollblut durchgeführt, d.h. Serum ist mit dabei. Machen Sie sich doch mal eine Erythrozytensuspension und wiederholen Sie damit den Bedsidetest.
Gruß!

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Dr. med. Birgit Fleiter
Ärztin für Transfusionsmedizin, Hämostaseologie
MVZ Dr. Stein+Kollegen
Mönchengladbach

Beiträge: 115 | Mitglied seit: Juli 2006 | IP-Adresse: gespeichert
Hbl.
ist neu hier
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ID # 413


  Erstellt am 09. November 2015 14:58 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Hallo,
vielen Dank für die schnelle Reaktion.

Untersuchungen mit dem Blut des Patienten lassen sich leider nicht mehr durchführen, er ist mittlerweile verstorben.

In der Regel hat der Anti-I-Antikörper sein Wirkungsoptimum bei 20 Grad Celcius. Da der Bedsidetest bei Raumtemperatur durchgeführt wird, wäre sicher eine mögliche Erklärung, dass hier eine Reaktion zwischen Patientenerythrozyten und Patientenantikörper stattgefunden hat.

Nicht klar ist jedoch die Reaktionsveränderung im Bedsidetest, die wir im Vergleich zum Vortag beobachteten.Da das Antigen I auf der Membran der Patientenerythrozyten natürlich vorkommt, sollte es sich bei dem Antikörper am ehesten um einen Auto-Antikörper handeln. Ein Auto-Antikörper hat jedoch keinen Grund zu einer möglichen Boosterung, die eventuell eine Erklärung darstellen könnte.

Möglich wäre auch, dass der Antikörper Anti-I vorrangig mit dem Antigen I des EK reagiert, das am Tag zuvor transfundiert wurde (Blutgruppe 0), also eine Reaktionsverstärkung durch höhere Antigenpräsenz verursacht wird.

Wirklich zufrieden bin ich mit keiner der Theorien …

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Hbl.

Beiträge: 3 | Mitglied seit: November 2015 | IP-Adresse: gespeichert



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