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Autor Thema: Monitoring der Anti Xa- Aktivität für DOAK
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 20. Juli 2020 14:46 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Eine Anfrage lautete:

"In unserer Klinik - vermutlich wie in allen anderen Kliniken auch - steigt die Rate an Patienten mit dringender OP-Indikation oder akuter Blutung unter den neuen direkten oralen Antikoagulantien DOAK.
Da sowohl für die Patienten, aber auch für die Qualitätssicherung unserer chirurgischen Kollegen auch bei diesen Patienten eine zeitnahe operative Versorgung notwendig ist, evaluieren wir gerade ein Monitoring für die Wirkung der DOAK in unserem Labor einzuführen.
Uns ist bewusst, dass ein sicheres Monitoring sich nur über die spezifische Anti-Faktor Xa- Aktivitätsbestimmung erreichen lässt.
Aus logistischen- und Kostengründen würden wir aber gerne die jeweils substanzspezifische Bestimmung vermeiden.
Durch Recherche und Nachfragen in anderen Kliniken haben wir erfahren, dass inzwischen immer mehr Labore (ebenfalls aus Kostengründen) die Faktor-Xa-Aktivität auch bei Patienten mit Einnahme von DOAK auf einer Kalibrationskurve für niedermolekulare Heparine bestimmen, um so zwar keine quantitative Aussage über die DOAK-Wirkung aber wenigstens eine qualitative Aussage zur bestehenden Faktor-Xa-Inhibition durch die DOAK zu erhalten.
Dazu jetzt meine Fragen:
Haben Sie Erfahrung im klinischen Alltag mit der Verwendung einer unkalibrierten Faktor-Xa-Aktivität für das Monitoring der direkten Anti-Xa-Inhibitoren?

Ist damit wirklich eine sichere Aussage JA / NEIN über die Aktivität der Faktor-Xa-Inhibitoren zu treffen?

Uns ist bewusst, dass wenn noch eine Hemmung von Faktor-Xa vorliegt, wir keine quantitative Aussage treffen können, wie stark die Hemmung noch ist - aber wenn keine Faktor-Xa-Hemmung messbar ist, ist auch keine DOAK-Wirkung mehr aktiv. Ist das so korrekt?

Leider finde ich in der Literaturrecherche keine Informationen oder Empfehlungen hierfür - daher wende ich mich an Sie.
Über eine Antwort und Ihre Einschätzung wäre ich sehr dankbar!

Beiträge: 234 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 20. Juli 2020 15:01 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Lieber Forum Nutzer,
Die Messung von Hemmstoffen des Gerinnungsfaktors Xa mit dem "Anti Xa- Test" ist eine klinisch chemische Messmethode, die einer Spiegelbestimmung und damit dem sogenannten Drug Monitoring nahe kommt. Dies ist anders beim "gerinnungsphysiologischen" Monitoring mit PTT, aCT oder INR (Thrombininhibitoren, UFH, VKA) wo mehr Einflussfaktoren (patientenseitig) oder Störfaktoren auf den jeweiligen Gerinnungstest einwirken können.

Das bedeutet, dass die Anti Xa - Tests die Medikamentenspiegel messen und nicht deren gerinnungsphysiologische Wirkung.
Damit können sie auch in einem nicht kalibrierten System abschätzen, wieviel von dem jeweiligen Anti Xa-Medikament (DOAK oder NMH) in der Probe vorhanden ist. Zu beachten ist, daß die versch. Medikamente in dem artifiziellen Messsystem unterschiedlich stark "hemmen", d.h. diese Messwerte korrelieren nicht mit der klinischen Wirksamkeit.
Zu dem Vorgehen (Analogie mit der Anti Xa-Wirkung von NMH) gibt es verständlicherweise keine offiziellen Empfehlungen oder Firmenangaben. Sie können in ihrer Klinik zusammen mit ihrem Laborarzt eine semiquatitative Abschätzung vornehmen, indem sie das einmal in-vitro mit den entsprechenden Kalibratoren bzw Kontrollen unter den lokalen Bedingungen/verwendeten Methoden eingrenzen.
Das sollte spätestens bei Methodenwechsel überprüft werden.

Hierbei ist wichtig, dass die in der anästhesiologischen Literatur vorgeschlagenen Grenzen bzgl. des Blutungsrisikos von 30 - 50 ng/ ml (für Rivaroxaban/ Apixaban) mit den Leistungsdaten, die zu diesen Testen publiziert sind, kollidieren, da diese Konzentrationsangaben an oder unter der präzise bestimmbaren unteren Nachweisgrenze der Testmethoden liegen. Diese unteren Grenzwerte aus den o.g. Empfehlungen sind auch in keinem Fall validiert und schon gar nicht prospektiv.

Andersherum können sie in einem nur gegen NMH kalibrierten Mess-System schon nachweisen, daß keine hohen oder überhöhten Spiegel eines F Xa hemmenden Medikaments vorliegen. Zu einer unteren Grenze (Ausschluß Blutungsrisiko) ist keine Aussage möglich. Wesentlich ist schliesslich auch, dass alle Xa-Inhibitoren kurze HWZ haben (z.T. weniger als 12 h), so dass ohne genaue Kenntnis von Applikations- bzw Blutentnahmezeitpunkt eine Interpretation des Plasmaspiegels nicht möglich ist; es sei denn, es geht um den Nachweis einer Kumulation.

Prof. Michael Spannagl
LMU München

Beiträge: 234 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert



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