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Autor Thema: Weaning-Versagen - "eine Indikation für liberales Transfusionsregime?"
ruenzt
ist neu hier
*
ID # 444


  Erstellt am 06. Februar 2018 18:47 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Kürzlich wurde in eine unserer Kliniken (Grundversorgung) ein Patient aus einem Haus der Maximalversorgung verlegt, der sich im Weaning, bei noch liegender Trachealkanüle, befand.
Dabei ein Protokollblatt in dem aufgeführt wird wie weiter zu verfahren ist. Sehr interessant dabei "bei Weaning Versagen und COPD wird (neben anderen Maßnahmen) eine Anhebung des Hb bis 12g/dl empfohlen".
Ist ein solches Vorgehen noch zeitgemäß?

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Ruenz

Beiträge: 1 | Mitglied seit: Februar 2018 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 06. Februar 2018 20:25 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Lieber Kollege Rünz,
nein ganz und gar nicht.
Die Literatur, die es befürwortend dazu gibt, ist die einmalig in den 90er Jahren publiziert Fallserie aus einem schwäbischen Entwöhnungszentrum (Schönhofer B, Böhrer H, Köhler D.Anaesthesia. 1998 Feb;53(2):181-4.)
Eine bessere Oxigenierung wäre physiologischer Weise theoretisch durch einen höheren Hämoglobingehalt zu erwarten, aber die Analyse der Gewebsoxigenierung und Verbesserung der Stoffwechsellage bei Intensivpatienten legt nahe, dass Bluttransfusionen diesen Effekt nicht zuverlässig bewirken (gemessen am Laktatspiegel, und nur manchmal Sauerstoffangebot und - Verbrauch erhöhen (Tabelle 5 aus NapolitanoLM, s.u.). Deshalb ist ein liberales Transfusionsregime in den amerikanischen Intensivmedizinischen Leitlinien (ebenso den deutschen Querschnittsleitlinien) nicht empfohlen (Napolitano LM, et al. J Trauma. 2009 Dec;67(6):1439-42).

Gegen die obigen Daten der Fallserie stehen (etwas höherwärtig) die Subgruppenanalysen aus den großen prospektiven Vergleichsstudien der Transfusionsstrategie liberal versus restriktiv:

bei der Subgruppenanalyse des TRICC-Trial (HebertPC. Vox Sang. 2002 Aug;83 Suppl 1:387-96 und Chest. 2001 Jun;119(6):1850-7.):
Erfolg Weaning -Liberaler vs. restriktiver Trigger: Kein Unterschied

bei der Subgruppenanalyse des CRIT-Trial (Corwin HL. Crit Care Med. 2004;32:39?52) Outcome bei beatmeten Patienten:
-Liberaler vs. restrikt. Trigger: -Mortalität 17,2% vs. 4,5%, Verweildauer Krankenhaus (LOS) 15 vs. 10 Tage, -Verweildauer ITS 9 vs. 4 Tage: bei liberaler Strategie schlechter

Obwohl es also zum Weaning als primärem Studienziel keine spezielle prospektive Studie gibt, ist die noch vielfach geübte liberale Transfusions-Strategie nicht auf Evidenz basierend und deshalb auch nicht zu empfehlen.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

Beiträge: 205 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert



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