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Autor Thema: Eisengabe perioperativ
Kramer
ist neu hier
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ID # 491


  Erstellt am 19. Januar 2021 16:25 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
ich beschäftige mich gerade damit, einen passenden Anämie -Algorithmus für orthopädische Operationen zu finden. Die normalen H-Teps und K-Teps benötigen kaum Transfusionen, aber wie man im HB Verlauf der ersten 3 Tage sehen kann, verlieren die Patienten im Schnitt zwischen 300 und 800ml Blut (v.a. bei den Hüften). Der Blutverlust im Rahmen der Wechseloperationen liegt höher.
Dabei beschäftigen mich einige Fragen:
1. ist es nützlich, bei einem Patienten mit eindeutigem Eisenmangel direkt vor OP noch ein Eisenpräparat(z.B. 500mg Ferinject) einlaufen zu lassen? oder kann das sogar schaden!? wovon hängt meine Entscheidung ab? Gibt es dazu Studien?

2. Es fallen immer wieder Patienten mit noch normalem/leicht erniedrigtem Hb und einer schon erheblich erniedrigten Transferrinsättigung auf (<5%). Gerade bei kardial vorerkrankten ASA3 Patienten würde ich hier gerne präoperativ Eisen geben und die OP verschieben. kann ich das so handhaben/ rechtfertigen?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antworten.

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Kr

Beiträge: 2 | Mitglied seit: Januar 2021 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 20. Januar 2021 10:39 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Liebe/r Forumnutzer/in,
es ist eine vielfach geteilte Beobachtung, dass der Blutverlust für Hüft- und Knieprothesen durch chirurgische Sorgfalt und Technik geringer geworden ist. Bisherige Standardversorgungen funktionieren nicht mehr. Deshalb ist Ihre Frage wichtig.
Eine Differenzierung zwischen primärem Hüft- und Kniegelenksersatz mit /und ohne präoperative Anämie bzw. eine Wechseloperation (nur Pfanne oder auch Schaft?) ist notwendig und sollte auf Ihr Haus und Ihre Blutverlust- bzw. Transfusionsstatistik zugeschneidert sein.

Im Allgemeinen sind folgende Punkte diesbezüglich beachtenswert:

- die Diagnose eines Eisenmangels mit einer Transferrinsättigung unter 20% erfordert eine orale, wenn mit schwerer bis moderater Anämie einhergehend auch eine intravenöse Eisentherapie (1g Ferinject oder 2g Monofer). Das ist auch als Kurzzeittherapie am OP-Tag oder dem Abend davor wirksam. Unter einer Hämoglobinkonzentration von 10g/dl sollte auch Erythropoetin 40 000 IE s.c. hinzugefügt werden. Ein Eisenmangel alleine korreliert nicht mit der Transfusionsbedürftigkeit (Fotland et al. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19376748/) und sollte nur selten mit kurzfristiger intravenöser Eisentherapie behandelt werden.
-Die präoperative differenzierte Anämiediagnostik ist in der S3-Leitlinie empfohlen.(https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/001-024l_S3_Praeoperative-Anaemie_2018-04-verlaengert.pdf)
- Auch die kurzfristige Eisentherapie ist sicher und wirksam (siehe Vortrag P. Geisser, Zürich - Effektivität und Sicherheit der kurzfristigen Eisentherapie auf den TG 2018 (https://www.iakh.de/vortrag/vortragsdownload-iakh-2018.html))
- Nicht-anämische Patienten brauchen keine blutsparenden Maßnahmen im allgemeinen (siehe So-Osman et al: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24434302/). Eine Ausnahme kann sein:
- Kleine und schlanke Frauen mit geringem Gewicht haben ein höheres Risiko transfundiert zu werden, sollten also eher eine intensivierte Anämietherapie bekommen als Männer.
- Maschinelle Autotransfusion (MAT) ist meiner Erfahrung nur für den normalen Hüftgelenksersatz bei anämischen Patienten notwendig, bzw. als postoperative Variante beim Kniegelenksersatz. Bei Hüftprothesenwechsel mit Schaftwechsel soll immer MAT eingesetzt werden, auch wenn der Patient vorher nicht anämisch ist oder es sich um eine untergewichtige alte Dame handelt. Nähers wird Ihnen Ihre Statistik zeigen.
- Ein Berechnung des Erythrozytenvolumens und Vorhersage der Transfusionswahrscheinlichkeit sind zuverlässig und können in einem Softwareprogramm des Labors eingebunden den Anästhesisten an die Hand gegeben werden (siehe Vorträge auf den Transfusionsgesprächen von Dr. Schlegel aus Karlsruhe (Auf den TG 2014 und 2015 (https://www.iakh.de/vortrag/ludwigshafener-transfusionsgespraeche-272832015.html)) oder Dr. Rünz vom Klinikverbund Südwest(https://www.iakh.de/vortrag/ludwigshafener-transfusionsgespraeche-22-23-03-2019.html))
- Über die Effektivität dieses ALGORITHMUS-gesteuerten Anwendungsmodells der Anämiekorrektur zur effektiven Reduktion der Fremdbluttransfusion gibt es für die blutverlustreichen Operationen der orthopädischen Chirurgie keinerlei Zweifel. Einige Studien, die das belegen sind von Enko et al.(https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23606953/)Koze et al., Schlegel et al. etc. , zur Verringerung von Komplikationen (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31559460/) , eine retrospektive Studie von Heschl. et al (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29303906/), zur Verringerung der Krankenhausverweildauer, Kosten und Transfusionsbedarf von Kotze et al (https://www.iakh.de/zeitschrift/patient-blood-management-algorithmus2012.html).
Das Beispiel aus Karlsruhe ist untenstehend angefügt


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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

Beiträge: 247 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert
Kramer
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ID # 491


  Erstellt am 20. Januar 2021 14:39 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrter Herr Prof. Frietsch,
herzlichen Dank für Ihre hilfreiche und ausführliche Antwort.
Noch eine Bitte: ich kann keinen der oben genannten Vorträge der IAKH öffnen. Ich weiß nicht , ob es nur mir oder auch anderen so geht. Evtl. könnte es daran liegen, dass die Zugriffserlaubnis abgelaufen ist?
G. Kramer

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Kr

Beiträge: 2 | Mitglied seit: Januar 2021 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 25. Januar 2021 10:12 (#4)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
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