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Autor Thema: Transfusion über 3-Wegehahn
mmuehl
ist neu hier
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ID # 430


  Erstellt am 27. Oktober 2017 11:20 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
In unserer Klinik ist die Delegation einer Transfusion bei Transfusionsserien an die Pflege nur auf den Intensivstationen und im OP unter direkter Aufsicht eines Arztes erlaubt. Nun hat ein Arzt auf einer peripheren Station 2 EK an einen Dreiwegehahn angeschlossen und die erste Transfusion eingeleitet und hat die Stationsschwester aufgefordert, wenn das erste EK durch sei, den Dreiwegehahn umzustellen, damit das zweite EK einlaufen kann. Er habe die Konserven überprüft, den bedsidetest gemacht und die Konservenbegleitscheine ausgefüllt und übernähme so sowieso die volle Verantwortung. Ist ein solches Vorgehen zulässig?

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Dr. Michaela Mühl

Beiträge: 5 | Mitglied seit: August 2017 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 02. November 2017 10:45 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Liebe Frau Kollegin Mühl,
die Delegation der Weiterführung einer Transfusionserie an das Pflege und Assistenzpersonal ist richtliniengerecht, nicht aber die Delegation des Starts der Transfusion. Dafür bleibt die unmittelbare Durchführung durch den Arzt bzw. dessen Anwesenheit erforderlich. Dabei macht es keinen Unterschied, auf welcher Versorgungs- und Überwachungsintensität dieser Prozess stattfindet.
Es ist eine vernünftige Regelung , die Weiterführung der Transfusion auf Intensiv zu gestatten, nicht aber auf peripherer Station, da jedes neue EK eine Transfusionsreaktion auslösen kann. Allerdings sind die Richtlinienvorgaben nicht derart differenziert. Es ist also rechtlich tolerabel, wenn der Arzt auf peripherer Station bei der ersten Konserve die Transfusion einleitet und den weiteren Verlauf delegiert. Sinnvoll ist aber, dass eine Überwachung des Transfusionsbeginns auch der nächsten Konserve(n) unter Beobachtung der Pflege oder Monitorüberwachung stattfindet. Die Verantwortlichkeit des Arztes, der die Transfusion (egal wo) startet bleibt für alle Konserven der Serie bestehen. Das sollte mit allen Ärzten besprochen werden. Dann werden sich vermutlich wenig Ärzte finden, die solch eine Vorgehen auf peripherer Station ohne Monitoring noch unterstützen.
Im Übrigen ist die Technik mit einem Dreiwege-Hahn zu hinterfragen. Die Situation klingt nach der Transfusion einer Doppeleinheit, ohne Kontrolle des Effekts der ersten Einheit. Die Applikation von Doppeleinheiten ("ein EK ist kein EK"!) führt generell bei nicht aktiv und vital blutenden Patienten zur Übertransfusion und damit assoziierten Folgekomplikationen. Das wiederrum ist nicht richtliniengedeckt.
Zusammenfassend empfehlen wir eine Fortbildung zur Durchführung und Indikation von Erythrozytenkonzentraten.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

Beiträge: 231 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert



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