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Autor Thema: Operative Blutungen bei Zeugen Jehovas
Nießner
kommt regelmäßig her
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ID # 17


  Erstellt am 21. Juli 2005 16:14 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Wir sind an der Erarbeitung einer SOP zur Versorgung von Pat., die Transfusionen ablehen. Mich interessiert, nach welchem Regime versorgen die Kollegen solche Patienten? Wie läuft die konkrete Versorgung ab: wann und wieviel Trasylol, wann Fibrinogen, welche Einzelfaktoren in welcher Dosierung? Faktoren präop. oder intraop; ab welchem Hb einsteigen? Wielange Epo und Fe vor OP?

Wie sieht das mit den Kosten aus? Muß dies aus den DRG bezahlt werden, akzeptieren die Kassen die Mehrausgaben durch verlängerte Intensivtherapie etc. Ist es legitim, eine Kostenübernahmeerklärung durch den Patienten unterschreiben zu lassen?

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Christoph Nießner

Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe
Arzt für Transfusionsmedizin - Anästhesiologie
Hämostaseologie - Labordiagnostik - Notfallmedizin

Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Rettungsmedizin
Leiter Zentrallabor/Transfusionsverantwortlicher

Beiträge: 24 | Mitglied seit: November 2003 | IP-Adresse: gespeichert
Kretschmer
kommt regelmäßig her
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ID # 13


  Erstellt am 26. August 2005 14:46 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Ihre Frage ist sehr weitläufig und kann schon deshalb nicht erschöpfend beantwortet werden, weil die Therapie im Einzelfall von den klinischen Umständen abhängt. Dennoch versuche ich einzelne Punkte zu beantworten, um auch die Diskussion diesbezüglich in Gang zu bringen. Im übrigen finde ich, dass wir diese Fragen bei den Marbuger Transfusionsgesprächen diskutieren sollten:
- Trasylol und evtl. auch Desmopressin erst bei Blutung oder entsprechender Hämostasestörung. Dosierung in Abhängigkeit von der Schwere der Störung bzw. Blutung. Wir haben bereits mit niedrigen Dosierungen mit Trasylol Erfolge festgestellt (500.000 KE im Bolus, 200.000 KE/Std. für Std bis wenige Tage je nach Blutungsgefährdung bzw. Störung). In letzter Zeit geben wir allerdings zunehmend statt Trasylol Cyklocapron (3 - 4,5 g/die).
- Desmopressin (Minirin) applizieren wir (u.U. zusätzlich)
bei niedrigen Thrombozyten oder Thrombozytenfunktionsstörungen bzw. pathologischem PFA.
- Gerinnungspräparate sind ebenfalls besonders zustimmungspflichtig, wenn nicht rekombinant. Wir setzen diese in diesen Fällen sicher früher ein, als den bisher üblichen
kritischen Grenzen, für die eine wissenschaftliche Evidenz besteht (z.B. Fibrinogen schon bei >/= 1 g/L, bei neurochirurgischen Eingriffen schon bei >/= 1,4 g/L)
- NovoSeven wird nur im Rahmen der zugelassenen Indikationen eingesetzt. Die Einverständniserklärung sollte festhalten, dass nur die allgemein anerkannten und zugelassenen blutsparenden Verfahren zum Einsatz kommen.
- Epo (2 x 100 - 150 E/kg KG/Woche) sollte 3 Wochen vor Op. zusammen mit intravenöser Applikation von Eisen (2 x 200 Ferlecit mg/Woche) angewendet werden. Bis zum
Überschreiten des kritischen Hb sollte man diese Therapie auch postop. fortführen.
- Die Kosten müssen wohl von der Klinik getragen werden, was aber auch m.E. vertretbar ist. Sie können aber auch versuchen, die Krankenkasse vorher zu kontaktieren. Wenn ein Patient durch Bluttransfusion infiziert würde (extrem selten!) oder aber Antikörper entwickelt (relativ oft), sodass er bei weiteren Transfusionen Versorgungsprobleme bekommt, etc. oder wenn er gar eine verzögerte Transfusionsreaktion entwickelt (selten) bzw. infolge Immunsuppression vermehrt Sekundärinfektionen bekommt, wird die Behandlung letztlich teurer. Immerhin verdanken wir den Zeugen Jehovas viele wertvolle Erkenntnisse bzgl. Blutsparen und kritischem Hb.

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V. Kretschmer

Beiträge: 401 | Mitglied seit: September 2003 | IP-Adresse: gespeichert
gurkerl
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ID # 210


  Erstellt am 04. Juni 2010 09:20 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
hallo,

wir erstellen gerade KHinterne Leitlinien und dabei habe ich eure Seite gefunden

daher natürlich gleich meine Frage:

hat jemand SOPs oder sonstiges nützliches Material für mich (möchte nicht unverschämt sein, aber wenn es leicht geht ... :)

danke!

Beiträge: 2 | Mitglied seit: Juni 2010 | IP-Adresse: gespeichert
ab
kommt regelmäßig her
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ID # 54


  Erstellt am 10. Juni 2010 07:47 (#4)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Die Weitergabe von ganzen SOP ist i.d.R. untersagt und macht auch nicht viel Sinn, da eine Anpassung an die ganz konkreten Bedingungen jeder Klinik unumgänglich ist. Und genau hierauf sollte man auch großen Wert legen, damit die nötige Akzeptanz beim Anwender erreicht wird. ;)
Empfehlenswete Grundlage ist das Musterhandbuch des BDT, in dem auch die rechtlichen Grundlagen jeweils benannt sind, müsste ggf. mit den neuesten RiLi-Änderungen noch abgeglichen werden.
Viel Erfolg!

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ab

Beiträge: 7 | Mitglied seit: November 2004 | IP-Adresse: gespeichert
gurkerl
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ID # 210


  Erstellt am 12. Juni 2010 07:14 (#5)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
danke ab! Muster mit rechtlichen Grundlagen sind genau das, was ich im Moment brauche, habe nur meine Suche im Netz begonnen und nicht bei schriftlichen Werken :)

Beiträge: 2 | Mitglied seit: Juni 2010 | IP-Adresse: gespeichert



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