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Autor Thema: MAT/Carzinom
Hei
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ID # 383


  Erstellt am 24. Mai 2013 14:23 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Ist es möglich, bei einem 80 jähr. Zeugen Jehovas mit ossär metastasiertem Prostata-CA und geplanter Wirbelsäulen - Stabilisierung nach EPO und Eisen-Therapie, intraoperativ nach entsprechender Aufklärung im Notfall den Cellsaver einzusetzen ? Was gilt es zu beachten (Bestrahlung etc.) ?

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Hei

Beiträge: 1 | Mitglied seit: Mai 2013 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
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ID # 24


  Erstellt am 17. Dezember 2015 10:12 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrter Herr Prof. Frietsch,

als Transfusionsverantwortlicher unseres Krankenhauses möchte ich Sie gern um eine Stellungnahme in Sachen 'Maschinelle Autotransfusion bei positiver Malignomanamnese' bitten. Wir nutzen die MAT ausschließlich für orthopädische/ traumatologische Eingriffe.

In der Sorge, Tumorzellen zu retransfundieren, die eine Metastasierung verursachen könnten, war es über Jahre hinweg in unserem Haus üblich, Patienten von der MAT auszuschließen, die eine Tumorerkrankung in der Anamnese hatten. Mein Vorgänger hatte dann zumindest bei 5-jähriger Rezidiv-/ Metastasenfreiheit die MAT für erlaubt erklärt.
Ich würde gerne auch diese 5-Jahres Grenze kippen, da die einhellige Meinung derer, mit denen ich darüber gesprochen habe (andere Transfusionsverantwortliche, Onkologen), war, dass man allenfalls Tumorzellen retransfundieren würde, die ja sowieso schon im Blut zirkulieren. Leider existieren "nur" Expertenmeinungen zu dieser Frage, z.T. wird die Entscheidung auch von einer 'sicher kurativen Therapie der Neoplasie' abhängig gemacht (Antwort Dr. Rudlof zur Leserfrage Cell-Saver in hämotherapie 2010, Ausgabe 14). Wäre des Weiteren zu unterscheiden zwischen soliden Tumoren und hämato-onkologischen Erkrankungen?

Beim letzten Audit mit unserer Qualitätsbeauftragten Hämotherapie haben wir dieses Thema nochmals diskutiert und möchten unsere Entscheidung gerne auf das Urteil einer interdisziplinären Expertengruppe stützen.

Mit herzlichem Dank für Ihre Antwort im Voraus,


Dr. Jens Wixforth

Beiträge: 205 | Mitglied seit: Dezember 2003 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
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ID # 24


  Erstellt am 17. Dezember 2015 10:24 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Der Einsatz von MAT bei malignen Erkrankungen wird von der IAKH wie folgt empfohlen:

Bei sterilen Operationen -nicht im Malignombereich- ist der Cell Saver /die MAT Problem-und bedenkenlos einzusetzen, da die hämatogene Aussaat durch das Verfahren selbst nicht induziert wird. Es werden durch die Operation nicht mehr Tumorzellen als normal zirkulieren. Deshalb ist auch keine 5 J Frist , Tumorfreiheit oder ein kursiven Ansatz zu beachten. Zumal mit der Fremdbluttransfusion eine Immunmodulation zu erwarten ist, die bei einem Tumorrezidiv genauso negativ zu bewerten ist.
Das wird von mir und zahlreichen Kollegen seit Jahren so gehandhabt ohne dass jemals eine Metastasierung bekannt geworden ist.

Eine andere , weil zwiespältige Sache ist die Antwort zur vorherigen Frage, des Cell Saver Einsatzes zur Prostataresektion. Die Querschnittsleitlinien sind hier für die bestrahlten MAT-Konserven mit einer 2c Empfehlung im internationalen Vergleich sehr restriktiv. Die britischen Guidelines sehen explizit für die Prostatakarzinom Chirurgie den Cell Saver Einsatz als zu empfehlendes Verfahren mit Retransfusion des unbestraften autologen Erythrozytenkonentrats über einen Leukozytendepletionsfilter vor, basierend auf Studien ohne Hinweise auf eine vermehrte Tumoraussaat. Auch auf anderen Gebieten der Tumorchirurgie gibt es vereinzelte Studien, die den bedenkenlosen Einsatz der unbestraften MAT-Konserve empfehlen. Die IAKH kann hier bei besonderen Gruenden für den Cell Saver/MAT Einsatzes den Cell Saver Einsatz speziell zur Prostata-Chirurgie in Anlehnung an die Britischen Leitlinien als tolerable, aber nicht Routinemäßig praktizierte Maßnahme garantieren, solange die aktuellen Querschnittsleitlinen dafür keine Empfehlung beinhalten. Das nächste Update der Querschnittsleitlinein sollte diese Frage beantworten, wenn auch nicht mit hohem Empfehlungsgrad. die Tumorbestrahlung ist ziemlich aufwendig zu etablieren, zumindest in kleineren Häusern. In großen Institutionen stellt sie aber natürlich den Goldstandard da.
Zum aktuellen Stand bitte unter Nachrichten der IAKH oder die entsprechenden Folien des Workshops MAT der Methoden der Hämotherapie der IAKH einsehen.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
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WGlaser
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ID # 124


  Erstellt am 20. Dezember 2015 23:37 (#4)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Hallo,

Sie erwähnen die Verwendung von Leukozytendepletionsfiltern. Welche Filter kann man verwenden und wo kann man Sie bestellen? Wir haben den Cellsaver 5 von Haemonetics und CATS von Fresenius im Einsatz. Haben Sie für eines der beiden oder für beide Systeme eine Lösung? Weder Fresenius noch Haemonetics vertreiben Leukozytendepletionsfilter für die MAT.

Vielen Dank für Ihre Antwort

Beiträge: 15 | Mitglied seit: November 2006 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 27. Dezember 2015 19:01 (#5)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Lieber Herr Glaser,

Sie weisen auf ein relevantes Problem hin- in der Fremdblutherstellung sind in Deutschland aktuell hauptsächlich Leukozytendepletionfilter als Bestandteil des Entnahmesets (Top/Top o. Top/Bottom) im Gebrauch. Es gibt aber doch noch internationale Firmen, die Leukozytendepletionsfilter auch für die Benutzung am Krankenbett anbieten. Um Ihnen aber aus Fairnessgründen eine komplette Nennung anbieten zu können, haben wir eine Recherche gestartet und werden diese in Kürze hier ergänzen.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
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tfrietsch
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ID # 24


  Erstellt am 04. Januar 2016 21:49 (#6)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Fresenius Kabi Deutschland GmBH hat die Verfügbarkeit der bettseitigen Filter wie auf der Webseite offeriert bestätigt: Der Leukozytendepletionsfilter BioR O2 Plus BS kann 2 autologe MAT-Erythrozytenkonzentrate auf einen effektiven Leukozytenrestbestand von weniger als 200 000 depletieren. Die Filtrationszeit beträgt ca. 10 min pro EK. Die Artikelbestellnummer ist A2BB0500.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
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tfrietsch
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ID # 24


  Erstellt am 21. März 2016 17:47 (#7)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Es gibt neben dem oben erwähnten Leukozytendepletionsfilter noch einen von RS Filter von (Produktreferenz RS1VAE) Haemonetics/ehemals PALL, kommen in Gebinden zu 20 Stück pro Karton, die 99% Leukozyten als auch 82% Lipidpartikel (laut Herstellerinformation) entfernen.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
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WGlaser
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ID # 124


  Erstellt am 22. März 2016 22:39 (#8)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Lieber Herr Frietsch,

besten Dank für Ihre Mühen! Das hilft mir sehr weiter. Ich werde versuchen entsprechende Filter zu bekommen.

Herzliche Grüße,

WGlaser

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