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Autor Thema: Qualität gewaschene EK
wehnert
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ID # 460


  Erstellt am 22. Dezember 2018 19:01 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrte Kolleg(inn)en,
zwei Fragen im Zusammenhang mit dem Einsatz des Cell Savers 5:
1: Der Cell Saver 5 bietet als Option bei hohem anfallendem Blutverlust das Notfallprogramm zu verwenden. Leider finde ich keine Daten zur Qualität des so erzielten Produktes. Wieviel schlechter ist die Auswaschrate bezüglich des eingesetzten Heparins, aktivierter Leukozyten, aktivierter Gerinnungsfaktoren, freiem Hämoglobin im gewonnenen Ek?
2: bei uns variiert die Waschqualität (Hb Wert in den jeweils gewaschenen EKs) währen mehrerer Waschvorgängen bei ein und demselben Patienten. Die Hb Wert variieren zwischen 15 g/dl und 20 g/dl gemessen mittels BGA. Die Richtlinie Hämotherapie BÄK 2017 sehen einen Sollwert für den Hämatokrit > 50% vor. Geht man davon aus, dass ein HKT von 50% etwa einem Hb-Wert von 16,5 g/dl entspricht würde ein Teil der erzeugten EKs diesem nicht entsprechen. Sollte man diese trotzdem transfundieren oder macht es Sinn, mittels des Konzentrations-Modus des Cell Savers diejenigen EKs mit niedrigen Hb-Werten erneut zu waschen?
Ich wünsche frohe Weihnachten
Mit kollegialem Gruß
Sven Wehnert (Transfusionsbeauftragter)

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Dr. med. Sven Wehnert<br />Köln

Beiträge: 2 | Mitglied seit: Oktober 2018 | IP-Adresse: gespeichert
grump
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ID # 439


  Erstellt am 03. Januar 2019 18:20 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Sehr geehrter Herr Wehnert,
Sie können das gewonnene Retransfundat, welches mit dem Notfallprogramm generiert wurde ohne Probleme transfundieren, wenn die Qualitätskontrollen bei ihrem Gerät immer in Ordnung waren. Alle 4 Wochen soll nach den RiLi von 2017 ja eine Qualitätskontrolle nach den Vorgaben von Prof. Hansen gemacht werden und Sie erhalten eine "Ausbeute" und eine "Elimination". Wenn die Elimination von Gesamteiweiß > 90% ist, kann davon auasgegangen werden, dass alle relevanten unerwünschten Bestandteile (Heparin, Fett, Medikamente etc.) ebenfalls entsprechend eliminiert sind.
Sie können im Einzelfall natürlich auch retransfundieren, wenn der HK < 50 % (entspricht 16,66 g/dl Hb) ist. Bei der Erstellung der RiLi sollte sichergestellt werden, dass durchgängig eine gute Ausbeute vorhanden ist, insbesondere soll auf die "Problematik der letzten Glocke" aufmerksam gemacht werden, bei der die Ausbeute meist geringer ist.
Bei der Hb-Bestimmung ist auf die Methode zu achten: mit photometrischen Methoden (z.B. BGA) erhält man meist etwas höhere Werte (etwa 0,2 bis 0,4 höher), was klinisch aber insgesamt weniger relevant ist.
Ein MAT-Retransfundat sollte eigentlich immer retransfundiert werden, auch wenn das Hb des Patienten relativ gut ist (!)
G. Wittenberg

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OA Dr. Wittenberg
Arzt für Anästhesiologie und Bluttransfusionswesen, D.E.S.A.
Schatzmeister der IAKH
BG-Klinik Ludwigshafen
Ludwig.Guttmannstr. 13
67071 Ludwigshafen

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ID # 439


  Erstellt am 03. Januar 2019 18:34 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Im Nachtrag zu meinem Kommentar zur MAT habe ich noch einige Literaturangaben. Ich habe die Qualitätskontrollen schon seit vielen Jahren nach diesen Vorgaben durchgeführt und (fast) immer gute Ergebnisse erhalten. Es ist gut, dass die Hämotherapie-RiLi jetzt deutlich auf dieses Verfahren eingegangen sind, da die Durchführung in der täglichen Routine dann leichter ist und man nicht immer begründen muss, warum man diese Kontrollen fordert.

1. Hansen, E, Dietrich G., Kasper S.M. - Vorschläge zum internen Qualitätsmanagement bei der Retransfusion von intra- oder postoperativ gewonnenem Wund- / Drainageblut - A & I 2002; 43:81-84
2. Hansen E., Seyfried T. - Maschinelle Autotransfusion - Anaesthesist 2011 - 60:381-390
3. Füllenbach C., Zacharowski K., Meybohm P. - Die Maschinelle Autotransfusion - http://www.drk-haemotherapie.de - 35-39
4. Hansen E., Bechmann V. et al - Ergebnisqualität bei der Maschinellen Autotransfusion und Einflussfaktoren - AINS 2004; 39: 569-75

G. Wittenberg

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Beiträge: 7 | Mitglied seit: Dezember 2017 | IP-Adresse: gespeichert
tfrietsch
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ID # 24


  Erstellt am 15. Januar 2019 16:53 (#4)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Lieber Kollege Wehnert,
ad 1. Wie Sie sehr gut wissen, hat der Cell Saver 5 von Haemonetics neben dem "High Quality" und dem "Standard"-Waschprogramm ein Notfallprogramm und kann mit einer 225, einer 125 und einer 75 ml Lathamglocke betrieben werden. Das Notfallprogramm des Cell Saver 5 stellt ein beschleunigtes Aufbereitungsverfahren und kürzeren Verweildauer der Erythrozyten in der Glocke an. Dadurch bleibt die Waschqualität erhalten, aber es kommt durch die ungenauere Trennschärfe an der Glockenschulter zu einem niedrigeren Hämatokrit.
Die Literaturstellen muss ich nachschauen, bin aber sicher, Daten bei den Mempelsymposien in den 90 er Jahren gehört zu haben. Sobald ich Sie gefunden habe, stelle ich sie hier ein.
ad 2.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
1. Vorsitzender der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft
für Klinische Hämotherapie IAKH e.V.
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Mannheim

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tfrietsch
Supermoderator
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ID # 24


  Erstellt am 15. Januar 2019 17:54 (#5)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
ad 2. Wie bereits Kollege Wittenberg ausgeführt hat, ist die Verwendung des Notfall-Retransfundats unbedenklich, auch wenn sie nicht den Qualitätsvorgaben entspricht. Es handelt sich bei den Vorgaben um Qualitätsstandards im Routinebetrieb. Sie sollen die einwandfreie Funktion Ihres Geräts sicherstellen. Allerdings gibt es auch im Routinebetrieb bei einigen Modellen der maschinellen Autotransfusion erhebliche Abweichungen: : Im Standardprogramm haben alle im Jahre 2000 gängigen Autotransfusions-Geräte laut einer alten Publikation von Geiger P. et al (Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2000;35:695 ± 697) sowohl in vitro (mit gelagertem Altblut) als auch in vivo vergleichbare und zufriedenstellende Werte hinsichtlich Elimination der Leuko (80%), Recovery und freiem Hämoglobin (Hb). Schon damals fiel der Cell Saver 5 durch seine vergleichsweise niedrige Konzentrationsfähigkeit im Standardprogramm auf. Aber alle erreichten eine zufriedenstellende Konzentrationsfähigkeit von einem Hämatokrit von 40% entsprechend dem von Ihnen berichteten 15-20g/dl. Das sind auch unsere gängigen Erfahrungen für dieses Gerät, das kommt auch im Standardprogramm immer wieder zu Hämatokrits von 55-65%. Eine mangelnde Qualität ist damit aber nicht zu konstatieren, obwohl die Richtlinie Hämotherapie 2017 einen höheren Hämatokrit fordert. Besonders wenn halbvolle Glocken aufbereitet werden oder wie oben erläutert der Notfallmodus benutzt wird, werden gewaschene und qualitativ hochwertige, somit vertretbar retransfundierbare Erythrozytenlösungen mit niedrigerem Hämatokrit produziert.

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Prof Dr. med. Thomas Frietsch
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