Covid-19-Antikörper aus Plasma von genesenen Patienten

Rekonvaleszenten-Plasma als hämotherapeutischer Ansatz bei Covid-19-Infektionen

Emil von Behring entwickelte um 1890 die sogenannte Blutserumtherapie mit Antikörpern als passive Immuntherapie gegen die gefürchtete Diphtherie und erhielt dafür den ersten Nobelpreis für Medizin 1901.

Ausgehend von dieser Überlegung und punktuellen Erfahrungen veröffentlichten sowohl der AK Blut [1] als auch die WHO [2] Empfehlungen zur Einführung, wissenschaftlichen Studien und Anwendbarkeit von RKP bei schweren Infektionen ohne andere Therapieoptionen wie z.B. EBOLA, MERS, SARS, neuartige Grippeviren. Die Hoffnung ist, dass Antikörper in ausreichender Menge bei Patienten eventuell die Viruslast signifikant senken, den Verlauf mitigieren, die Sterblichkeit reduzieren oder sogar einen protektiven Effekt haben könnten. Ermutigende Einzelfallberichte aus China [3] haben zu einer Zulassung dieser Therapieoption durch die FDA für Einzelfälle mit individueller Genehmigung der FDA geführt [4]. Die Firma "grifols" kooperiert zu diesem Zweck mit der FDA[5]. Mittlerweile (Juli 2020) gibt es auch eine erste Cochrane Analyse von Valk SF et al. dieser Therapieoption, die mit natürlich niedriger Evidenz die Sicherheit und den Nutzen des RKP für COVID-19 Patienten vermutet, aber nicht belegen kann. 

Eine retrospektive Analyse aus Nanjing/China vom Ende Juni 2020 in Blood berichtet von 1568 stationär behandelten Covid-19 Patienten, von denen 138 die RKP-Behandlung am 45. Tag (im Durchschnitt) nach Symptombeginn erhielten.  Die Mortalität mit RKP war gegenüber der Standardtherapie beinahe halbiert ( 2.2% vs. 4.1%),  ebenso die Aufnahmepflicht auf die Intensivstation (2.4% vs.5.1%). In 70% der schweren Atemwegssymptomatik bewirkte das RKP eine deutliche Besserung innerhalb von 7 Tagen. Die Viruslast und Infektionsparameter (CRP, IL-6, etc.) sanken (P<0.001) und die Lymphozytenzahl stieg wieder (P=0.006), die radiologischen Infiltrate verbesserten sich bei 76.8% aller Fälle innerhalb von 14 Tagen. Das RKP wirkte umso mehr, je weniger fortgeschritten die Infektion (je höher die Lymphozytenzahl, je niedriger die neutrophilen Granulozytenanteile und niedriger das CRP (P<0.05)) war und je früher das RKP gegeben werden konnte CPT. Innerhalb der ersten 35 Tage nach Symptombeginn brauchte die klinische Verbesserung im Median 10 Tage, danach verlängerte sich die Wartezeit deutlich.

Weiterhin findet sich eine Fallserie mit 5 Patienten mit positiven Effekten der Therapie mit Rekonvaleszentenplasma in JAMA [zur Pubmed über unsere Literatur-Rezension und Übersicht der aktuellen Literatur].

In Deutschland verfolgen derzeit (Stand 31.03.2020) diesen hoffnungsvollen Ansatz die Medizinische Hochschule Hannover [6] als Kooperation zwischen der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäß-Chirurgie (Prof. Axel Haverich) und dem Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering (Prof. Rainer Blasczyk) - Kontakt (RKP-Spende@mh-hannover.de) – und das Uniklinikum Münster [7] Medizinische Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie (Prof. Hartmut Schmidt)Kontakt (hepar@ukmuenster.de). Neben der Gewinnung von Hyperimmunplasma ist auch die Gewinnung von COVID-19 spezifischen cytotoxischen T-Lymphozyten angedacht [6].

Eine möglichst breite Information darüber und eine rege Beteiligung an diesen Studien ist äußerst wünschenswert, da so vielleicht die älteste Form der Hämotherapie gegen die jüngste infektiologische Bedrohung evidenzbasiert sich als hilfreich erweisen könnte. 

Nachtrag vom 8.4.2020: Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Herstellungsaktivitäten an RKP (aufgeführt von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA in einer nach Bundesland sortierten Liste der RKP-Zentren in Deutschland. Mehrere Pharmazeutische Unternehmen und Plasmazentren haben die Herstellungserlaubnis für die lyophilisierte Form als Immunglobulinkonzentrat beantragt. 

Literatur

  1. AK-Blut: Stellungnahme zur Gewinnung und Nutzung von Rekonvaleszentenplasma (RKP) als Therapieoption bei Ausbrüchen schwerer Infektionen (S16) Bundesgesundheitsbl 2015 · 58:1371–1377, DOI 10.1007/s00103-015-2256-9
  2. WHO Blood Regulators Network (BRN) Position paper on collection and use of convalescent plasma or serum as an element in filovirus outbreak response. (2014) http://www.who.int/bloodproducts/brn/en/. Zugriff am 31.03.2020
  3. Chen, Long et al. Convalescent plasma as a potential therapy for COVID-19 The Lancet Infectious Diseases, Volume 20, Issue 4, 398 – 400 DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30141-9
  4. Covid-19: FDA approves use of convalescent plasma to treat critically ill patients BMJ 2020; 368 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.m1256 (Published 26 March 2020)
  5. Grifols Announces Formal Collaboration with US Government to Produce the First Treatment Specifically Targeting COVID-19, press release (Published 25 March 2020) https://www.grifols.com/en/view-news/-/news/grifols-announces-formal-collaboration-with-us-government-to-produce-the-first-treatment-specifically-targeting-covid-19Zugriff am 31.03.2020
  6. https://www.mhh.de/institute-zentren-forschungseinrichtungen/institut-fuer-transfusionsmedizin/blutspende/die-erste-blutspende-1Zugriff am 31.03.2020
  7. https://www.ukm.de/index.php?id=medb_uebersichtZugriff am 31.03.2020

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