Neue internationale Leitlinien zur Thrombozytentransfusion

Metcalf, R.A. et al. Platelet Transfusion: 2025 AABB and ICTMG International Clinical Practice Guidelines. JAMA. Published online May 29, 2025.

 

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In einem bahnbrechenden Schritt, der in JAMA Im Mai 2025 veröffentlichten die Association for the Advancement of Blood and Biotherapies (AABB) und die International Collaboration for Transfusion Medicine Guidelines (ICTMG) aktualisierte internationale klinische Leitlinien zu Thrombozytentransfusion. Unterstützt von einem starken Gremium aus internationalen Experten und Patientenpartnern betonen diese Richtlinien eine konservative oder restriktiv, Ansatz zur Thrombozytentransfusion, um Schäden zu minimieren, Ressourcen zu schonen und klinische Ergebnisse zu verbessern.

Warum restriktive Transfusionsstrategien wichtig sind

Thrombozytentransfusionen sind in bestimmten klinischen Kontexten lebensrettend, insbesondere bei Patienten mit Thrombozytopenie (niedrige Thrombozytenzahl) oder Thrombozytenfunktionsstörung. Der Eingriff ist jedoch nicht ohne Risiken. Thrombozyten sind biologisch aktiv und verursachen häufiger immunologische und nicht-immunologische Nebenwirkungen als Erythrozytentransfusionen.

Wichtige Überlegungen:
  • Kurze Haltbarkeit: Blutplättchen haben eine Haltbarkeit von 5–7 Tagen, was die Lieferketten sehr anfällig macht.
  • Hohe Nachfrage: Anders als bei der Verwendung roter Blutkörperchen ist die Verwendung von Blutplättchen in den letzten Jahren nicht zurückgegangen.
  • Unerwünschte Wirkungen: Dazu gehören allergische Reaktionen, fieberhafte nichthämolytische Reaktionen und lebensbedrohliche Ereignisse wie TRALI und TACO.
  • Ressourcenbelastung: Die Sammlung und Lagerung von Blutplättchen ist kostspielig und erfordert eine enge Koordination.

Durch die Befürwortung einer restriktiven Strategie zielen die Leitlinien von 2025 darauf ab, unnötige Transfusionen zu reduzieren, die Sicherheit zu verbessern und die Verwendung begrenzter Blutprodukte zu optimieren.

Wichtige Ergebnisse der Evidenzprüfung

Die Entwicklung der Leitlinien basierte auf der GRADE-Methodik (Grading of Recommendations Assessment, Development, and Evaluation), bei der 21 randomisierte klinische Studien (RCTs) und 13 Beobachtungsstudien ausgewertet wurden, die sich über mehrere Jahrzehnte und unterschiedliche Patientenpopulationen erstreckten.

Die Gesamtergebnisse zeigen:
  • Kein Anstieg der Sterblichkeit mit restriktiven Strategien.
  • Minimaler Unterschied bei Blutungen Grad 3–4.
  • Reduzierte Exposition zu transfusionsbedingten Schäden.
Mit wem Sie sollte eine Transfusion bekommen und wann?

Diese werden durch Beweise mittlerer bis hoher Sicherheit gestützt.

1. Nicht blutende Krebspatienten oder Stammzellenempfänger
  • Schwelle: < 10,000/μl.
  • Begründung: Es gibt Belege dafür, dass eine Transfusion bei höheren Blutwerten keinen Nutzen bringt.
2. Neugeborene ohne Blutung
  • Schwelle: < 25,000/μl.
  • Begründung: Großzügige Bluttransfusionen erhöhen die Sterblichkeit in dieser gefährdeten Bevölkerung.
3. Patienten mit Lumbalpunktion
  • Schwelle: < 20,000/μl.
  • Begründung: Das Risiko eines spinalen Hämatoms ist äußerst gering; bei höheren Dosen bietet eine Transfusion kaum einen Nutzen.
4. Dengue-Patienten ohne Blutung
  • Software Empfehlungen: Nicht transfundieren.
  • Begründung: Kein Mortalitätsvorteil, Schadenspotenzial.
Maßgeschneidert auf das individuelle Risiko

Diese Empfehlungen werden durch weniger sichere Beweise gestützt und bieten Flexibilität bei der klinischen Entscheidungsfindung.

1. Autologe Stammzelltransplantation oder aplastische Anämie (ohne Blutung)
  • Software Empfehlungen: Keine Routineprophylaxe.
  • Begründung: Der Nutzen ist unklar; Überlegungen zur Lebensqualität sind wichtig.
2. Kritische Krankheitsbedingte Thrombozytopenie
  • Schwelle: < 10,000/μl.
  • Begründung: Begrenzte Versuchsdaten, aber praktisch, um die Belastung zu minimieren.
3. Platzierung eines zentralen Venenkatheters (komprimierbare Stellen)
  • Schwelle: < 10,000/μl.
  • Begründung: An komprimierbaren Stellen wie der inneren Drosselvene ist das Blutungsrisiko gering.
4. Interventionelle radiologische Verfahren
  • Schwelle:
    • Niedriges Risiko: < 20,000/μl
    • Hohes Risiko: < 50,000/μl
  • Begründung: Das Blutungsrisiko variiert je nach Verfahren.
5. Größere nicht-neuroaxiale Chirurgie
  • Schwelle: < 50,000/μl.
  • Begründung: Threshold gleicht Blutungsrisiko und Ressourcenverbrauch aus.
6. Herz-Kreislauf-Chirurgie (keine Thrombozytopenie oder Blutung)
  • Software Empfehlungen: Keine Transfusion.
  • Begründung: Kein Nutzen nachgewiesen.
7. Intrakraniale Blutung (Thrombozytenzahl > 100,000/µl oder Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern)
  • Software Empfehlungen: Keine Transfusion.
  • Begründung: Die Daten belegen die Wirksamkeit nicht und es besteht die Möglichkeit von Schäden.
Risiken der Thrombozytentransfusion: Kennen Sie die Zahlen

So implementieren Sie die neuen Richtlinien: Schritt für Schritt
1. Bestätigen Sie die klinische Indikation

Dient die Transfusion der Prophylaxe, einer Blutung oder einem invasiven Eingriff?

2. Thrombozytenzahl und Risikokategorie bestimmen

Verwenden Sie den entsprechenden Schwellenwert basierend auf der Bevölkerung (z. B. Krebs, Neugeborene, LP usw.).

3. Alternativen in Betracht ziehen

Antifibrinolytika, Faktorersatz und Verfahrensänderungen können das Blutungsrisiko ohne Transfusion verringern.

4. Beteiligen Sie sich an gemeinsamen Entscheidungen

Besprechen Sie Risiken und Nutzen mit Patienten oder Pflegepersonal, insbesondere wenn die Beweislage nicht eindeutig ist.

Auswirkungen auf Krankenhäuser und Blutbanken

Die Umsetzung dieser Richtlinien kommt nicht nur den Patienten zugute, sondern verbessert auch die Nachhaltigkeit der Blutspendedienste:

  • Reduzierter Abfall: Thrombozyten haben eine kurze Haltbarkeitsdauer; weniger unnötige Transfusionen führen zu einer erhöhten Produktverfügbarkeit.
  • Verbesserte Sicherheit: Niedrigere Raten von Transfusionsreaktionen.
  • Finanzielle Auswirkung: Mögliche Kosteneinsparungen bei Transfusionsdiensten und Patientenversorgung.
Fazit

Die JAMA-Leitlinien für Thrombozytentransfusionen von 2025 markieren einen bedeutenden Wandel hin zu einer evidenzbasierten, patientenzentrierten Versorgung. Die Anwendung restriktiver Strategien sorgt für mehr Sicherheit, schont kritische Ressourcen und entspricht dem weltweiten Trend zu einem bewussteren Umgang mit Blutprodukten.

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