Versorgungsengpass mit Blutkonserven

Blutkonserven sind knapp!

In Deutschland ist seit einigen Wochen eine zunehmende Knappheit bei der Versorgung mit Blutprodukten zu beklagen (Tagesschaumeldung). Aus Einrichtungen aller Versorgungsarten und Größe werden Lieferengpässe meist für Erythrozytenkonzentrate berichtet. Die IAKH regt an, den Engpass genau zu analysieren, die Gründe zu identifizieren, das Ausmass und die regionale Verteilung zu untersuchen, um in Zukunft besser gewappnet zu sein.
 
Es wird vermutet, dass viele Faktoren in den vergangenen Wochen zum Versorgungsengpass beigetragen haben. Die Lockerungen der Corona-Verordnungen, die Urlaubs- und Ferienzeit sowie Ereignisse wie die Fußballeuropameisterschaft und die Wiederaufnahme aller elektiven Operationen auf Vor-Pandemie-Niveau werden genannt.
 
Es ist durch die demographische Entwicklung, pandemiebedingte Spendeerschwernissen, Mangel an Pflegekräften auch in den Blutspendediensten, Feriensaisons und andere Faktoren zu erwarten, dass sich in Zukunft die Engpässe bis hin zu ernstzunehmenden Mangelzuständen regional und überregional entwickeln oder auch wieder erneut auftreten.
 
Die IAKH möchte die Gunst des Augenblicks nutzen und alle transfundierenden Einrichtungen kontaktieren, um Daten zur Mangelversorgung zu erheben. Ein entsprechender Fragebogen wurde versandt (hier nochmalig als PDF und online-Befragung hinterlegt, falls Sie als betroffene EInrichtung noch nicht angeschrieben wurden).
 
Wir haben beim Paul-Ehrlich-Institut und den großen Blutspendediensten eine allumfassende Kooperation zur Versorgungsoptimierung angeregt.
 
Wir erhoffen uns eine gemeinsame Datenauswertung zur Entwicklung einer Vermeidungsstrategie von beiden Seiten- den Produzenten und den Anwendern. Wir möchten die Strategien der EInzeleinrichtungen ("liberales Hamstern", Umgruppieren, weniger Kreuzen, Priorisieren, etc.) zu einer koordinierten Kollektivstrategie zusammenführen. Unsere vordringlichste Motivation ist die Hilfestellung aller Einrichtungen zur Vermeidung von Versorgungsmängeln im Sinne der Patientensicherheit.
 
Diesbezüglich haben wir auch eine Datenbank von Dr. Gerald Dietrich aus Eggenfelden zu Verfügung gestellt bekommen, die alle verantwortlichen Leiter eines Blutdepots zur optimierten Planung der Blutgruppen/Konserven-Vorratshaltung frei nutzen können. Wenn wir nämlich als Anwender und Endverbraucher von Blutkonserven der Blutgruppe 0 für Patienten A, B und AB verwenden, also „kompatibel“ transfundieren oder gar RhD negative EK an RhD positve Patienten vergeben, verstärken wir den Versorgungsengpass erheblich. Dass dieses Verhalten jedoch bei kleinen Blutdepots zwingend ist, um einen übermäßigen Verfall zu vermeiden, ist die Versorgungssicherheit für andere EInrichtungen und für das Kollektiv aller zu versorgenden Patienten in Krisenzeiten gefährdet. Das zeigt die untenstehende Exceltabelle (zum Download und Ausprobieren für Ihre Versorgungssituation). Die Anleitung der Exceltabelle ist in der Legende ersichtlich.
 
 
Mithilfe dieser Tabelle können wir auch in kleineren Häusern das Risiko der Mangelversorgung optimieren, indem wir eine sichere Mindestbestückung des Blutdepots für jede Blutgruppe errechnen, unterhalb derer nachbestellt wird.
 
Die IAKH erhofft sich aus der Datenerhebung und Analyse dieser Krise (Fragebogen und Kooperation der Blutspendedienste) weitere Hinweise, wie wir von Anwenderseite wie auch von Produzentenseite die Versorgung mit der wichtigen Überlebensressource Blut sicherstellen.
 
Für Ihre wertvolle Mitarbeit bedankt sich im Namen des Vorstandes
 
Ihr

Prof. Dr. Th. Frietsch
1. Vorsitzender der IAKH gem. e.V.
Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft für Klinische Hämotherapie
Sitz:  An den Lahnbergen, 35043 Marburg
Tel: +49 177 3344 480

Meldung eines Versorgungsengpasses mit Blutprodukten

Zum Meldeformular der freiwilligen Meldung einer nicht möglichen Versorgung mit einem Blutprodukt bitte hier klicken

Die Meldung soll eine auch nur einmalige Nichtlieferung oder Unterversorgung erfassen-jede Meldung ist wichtig. Sie werden im oberen Teil des Meldebogens zur Versorgungsstruktur Ihres Hauses befragt (ca. 3min). Im folgenden Meldeabschnitt sind Details zur Mangelversorgung einzufügen (ca.7-8min). 

Mit Ihrem Beitrag helfen Sie die Versorgungsstruktur in Deutschland zu verbessern.

Besten Dank

Ihre IAKH

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