Empfehlung der DGAI zur perioperativen Gabe von Tranexamsäure

Eine Expertengruppe der DGAI hat zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik die perioperative Gabe von Tranexamsäure bewertet. Die IAKH teilt diese Empfehlung und trägt sie als Übernahme auch den Hämotherapeuten in der chirurgischen, orthopädischen und anästhesiologischen klinischen Praxis an. 

Der Einsatz der Tranexamsäure (TXA) wird derzeit vielerorts in Kliniken am Einzelfall oder als Standardtherapie diskutiert und erwogen. Einschränkend ist nicht durchgehend bekannt, dass sich die Zulassung derzeit nicht explizit auf ein häufiges Anwendungsgebiet - die Endoprothetik- erstreckt. 

So ist es von eminenter Bedeutung, dass der Hämotherapeut die mit der Anwendung von TXA verbundenen Risiken (Thromboembolie, Fibrinolytic-Shut-Down, Multiorganversagen und erhöhte Mortalität) kennt sowie vor allem deren Risikofaktoren beim individuellen Entscheidungsfall berücksichtigt.

Der Artikel in Anästh Intensivmed 2023;64:V99-V104 von C.von Heymann, C. Perka, H. Lier, L. Kaufner und S. Treskatsch in voller Länge zu lesen, ist unbedingt anzuraten. Zum PDF-Download

Kurzzusammenfassung:

Einer ausführlichen Darstellung der Evidenz zum Tranexamsäureeinsatz in dieser perioperativen Indikation (Therapie und Prophylaxe, moderate Dosen < 2g bei Erwachsenen) wird betont, dass der EInsatz effektiv ist, die Blutungsmenge, die Transfusionswahrscheinlichkeit oft, die Mortalität in einigen Studien manchmal durch TXA reduziert werden konnte. Die Komplikationsrate einer Dosis unter 2g scheint nicht erhöht zu sein, aber durch unterschiedliche Begleitbehandlungen, heterogene Studienkollektive und ausgeschlossene Hochrisikogruppen finden sich hierzu nicht ausreichend Evidenz. Der Nachweis einer generalisiert verstärkten Fibrinolyse im Rahmen der Operation gelingt nicht sicher durch die Verwendung von viskoelastischen POCT-Tests. 

Die Autoren formulieren 4 zu beachtenden Aspekte für eine sichere Anwendung der TXA:

Individuelle Risikofaktoren für TXA-bedingte erhöhtes Risisko ist vermutlich mit vorangegangenen Thrombo-Embolien sowie bestehender Einschränkung der Nierenfunktion. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung ist die Verbreichung laut Zulassung kontraindiziert.

  1. Es sollten immer individuelle Risikofaktoren erfasst und beim Team-Time-Out erwähnt werden. Die prophylaktische Verabreichung vor Schnitt ist nur ohne ein Risikoprofil zu empfehlen. Der ideale und sicherste Zeitpunkt ist die intraoperative Gabe bei erhöhter Blutungsneigung.
  2. Die intravenöse Dosisempfehlung bei orthopädischen Eingriffen bezieht sich auf die Gabe von 1g Single Shot oder die gewichtsadaptierte Verabreichung von 10-15 mg/kg KG. Dosisanpassungen bei reduzierter Nierenfunktion muss beachtet werden.
  3. Die intra-artikuläre Applikation scheint in Kombination mit der intravenösen Darreichung effektiver zu sein. Es besteht aber eine dosisabhängige Zytotoxizität der TXA, die die Re-Epithelialisierung beeinträchtigen kann. Die orale Applikation (15mg/kg KG alle 12h gem. Fachinfo) ist genausoeeffektiv wie die Intravenöse. Abwr auch hier sind Nierenfunktionsstörungen zu beachten
  4. Wird TXA eingesetzt, muss umso wirksamer die adäquate Prophylaxe von postoperativen Thrombosekomplikationen etabliert sein 

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