Empfehlung der IAKH zur Therapie der präoperativen Anämie
Die Therapie der präoperativen Anämie ist eine noch nicht gut implementierte Strategie des Konzepts der "individuellen Hämotherapie" oder auch "Patient Blood Management", wie unserer letzte Umfrage gezeigt hat (veröffentlicht in Health Science Reports, zum PDF). In Kooperation mit dem Netzwerk PBM und Frau Prof. Steinbicker aus Frankfurt haben wir uns deshalb entschlossen, die Therapie mit intravenösem oder auch oralem Eisen sowie der Erythropoetingabe als IAKH Empfehlung zu formulieren.
Kurzzusammenfassung:
Nach erfolgter präoperativer Diagnostik gemäß der aktuellen AWMF S3 Leitlinie "präoperative Anämie" stellt sich bei einem Patienten vor der größeren Operation eine mikrozytäre Anämie vom Eisenmangeltyp aufgrund eines chronisch vorhandenen Ungleichgewichts von Verlust und Substitution heraus.
Bei den folgenden Handlungsoptionen sind die Charakteristika der Interventionen mit ohren Wirkungen auf den individuellen Patienten und die Einschätzung der Risiken durch die Anämie abzuwägen:
- Orale Eisentherapie
- Diese sehr sichere Applikation (selten allergische Reaktionen) ist für die meisten Fälle aufgrund der niedrigen Dosis, verspäteter Antwort, die schlechte gastro-intestinale Verträglichkeit und die begrenzte Resorption bei entzündlichen und chronischen Erkrankungen ungeeignet. Neue Präparationen versprechen diesbezüglich Änderung.
- Intravenöse Eisentherapie
- Diese effektive und höher dosierbare hochmolekulare Applikationsform ist mit den neuen Präparationen ebenfalls sicher und verspricht eine suffiziente Antwort der Erythropese. Die intravenöse Apllikationsform umgeht die Hepcidin-vermittelte intestinale Resorptionsblockade. Ältere niedermolekulare Präparationen sollen wegen eines erhöhten Risikos der schweren allergischen Reaktion und der begrenzten Dosis nicht mehr verwendet werden. Je nach Präparat sind unterschiedlich starke Ausprägungen der möglichen Nebenwirkungen wie intiale Flushreaktionen und im Verlauf auftretende Hypophospatämien bei der Therapie zu beachten.
- Zusätzliche Erythropoetintherapie
- Die zusätzliche Therapie mit hochdosiertem Erythropoetin bei schweren Anämien unter Hämoglobinwerten von 10g/dl beschleunigt die Korrektur und die erhöht die Effizienz der Eisentherapie. Mit der Begrenzung des Einsatzes unter diesem Schwellenwert für die Hämoglobinkonzentration ist das Risiko der viskositätsbedingten Thromboembolie gebannt.
Die ausführliche Empfehlung der IAKH enthält detaillierte Angaben zur Phosphatsubstitution und in einer angefügten Tabelle weitere pharmakologische Details zu den aktuellen Therapeutika.
Beschlossen auf der IAKH Vorstandssitzung vom 22.5.23