CLIP-II: Gefrorene Thrombozytenkonzentrate erhöhen den Transfusionsbedarf von EK, FFP und Gerinnungskonzentraten

Reade MC et al. Cryopreserved vs Liquid-Stored Platelets for the Treatment of Surgical Bleeding: The CLIP-II Randomized Noninferiority Clinical Trial. JAMA. 2025 Dec 8:e2523355. doi: 10.1001/jama.2025.23355.

Die CLIP-II-Studie (Cryopreserved vs Liquid Platelets II) war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Nichtunterlegenheitsstudie an elf australischen Universitätskliniken rekrutiert. Eingeschlossen wurden Patienten mit hohem Risiko für eine Thrombozytentransfusion im Rahmen eines nicht-selektiven Eingriffs (30,2 % Notfalleingriff). Ausgeschlossen wurden u.a. Patienten mit einem Thrombose- oder Embolierisiko, insgesamt wurden 388 randomisiert und 202 erhielten bis zu drei Einheiten kryokonservierter Thrombozyten der Blutgruppe O in DMSO (Dimethylsulfoxid) oder konventionell flüssig gelagerter Thrombozyten, beginnend intraoperativ oder innerhalb der ersten 24 postoperativen Stunden bei 202 transfundierten Patienten (mittleres Alter [SD] 64,4 [13] Jahre; 75,7 % männlich).
Primäres Ziel der Studie war die postoperative Blutung über die Thoraxdrainage innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme auf die Intensivstation. Nichtunterlegenheit wurde prospektiv als weniger als 20 % höhere Blutungsrate in diesem Zeitraum definiert. 
Der primäre Endpunkt unterschied sich nicht zwischen den Gruppen (605 ml in der Gruppe mit kryokonservierten Thrombozyten vs. 535 ml in der Gruppe mit flüssig gelagerten Thrombozyten; Verhältnis der geometrischen Mittelwerte [kryokonserviert zu flüssig]: 1,13 [95 %-KI: 0,96–1,34]; p = 0,07). Da das Konfidenzintervall Blutungen oberhalb der Nichtunterlegenheitsgrenze einschloss, konnte die Nichtunterlegenheit nicht nachgewiesen werden. Die Transfusion kryokonservierter Thrombozyten war mit einem höheren intraoperativen und perioperativen Gesamtblutverlust (Verhältnis der geometrischen Mittelwerte [kryokonserviert zu flüssig]: 1,42 [95 %-KI: 1,12–1,80] bzw. 1,31 [95 %-KI: 1,07–1,60]) sowie einem erhöhten Bedarf an Erythrozyten-, Plasma- und Kryopräzipitattransfusionen verbunden. Obwohl keine Unterschiede in der Häufigkeit der vordefinierten unerwünschten Ereignisse festgestellt wurden, benötigten Patienten, die kryokonservierte Thrombozyten erhielten, längere Zeiträume bis zur Extubation und Entlassung von der Intensivstation/dem Krankenhaus (mediane [IQR] Beatmungsdauer: 25,5 Stunden [16,1–77,3] vs. 23,6 Stunden [13,1–52,8]; mediane [IQR] Verweildauer auf der Intensivstation: 3,8 Tage [2,0–6,0] vs. 3,0 Tage [1,9–4,9]; mediane Verweildauer im Krankenhaus: 10,9 Tage [7,87–17,0] vs. 9,1 Tage [6,9–14,9]).

Es ist bezeichnend, dass kryokonservierte Thrombozyten 24 Stunden nach Aufnahme auf die Intensivstation nicht den vordefinierten Schwellenwert für Nichtunterlegenheit hinsichtlich der hämostatischen Wirksamkeit erreichten. Weitere vordefinierte Endpunkte wiesen durchgängig auf eine verminderte hämostatische Wirksamkeit hin. Damit ist der Einsatz und die Vorhaltung von kryokonservierten TKs in Regionen ohne Versorgungsschwierigkeiten obsolet.

Wie allerdings im begleitenden Editorial (alle Autoren übrigens mit Interessenskonflikten in der pharmazeutischen Blutprodukteherstellung) hingewiesen wurde, ist die Krokonservierung eine Chance in strukturschwachen Gebieten und für Katastrophenfälle.  

Pubmed

Für Sie gelesen von Th. Frietsch

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