Cochrane Analyse: Single versus Doppel- Transfusion
Roumeliotis N, et al. Larger versus smaller red blood cell volume per transfusion in hospitalized adults, children and preterm neonates. Cochrane Database Syst Rev 2026;7:CD015898
Während umfangreiche Forschung die Sicherheit von Erythrozytenkonzentraten als Arzneimittel untersucht hat, gibt es nur wenige Studien zur korrekten Dosierung bei stationären Patienten. Im Gegenteil, die Anwendungssicherheit leidet erheblich durch die geringe Anwendungssicherheit, Dosierungsfehler und der Gefahr der Übertransfusion (siehe auch Fischer et al. 2025, Frietsch 2026). Die „Choosing Wisely“-Initiative empfiehlt, eine einzelne Erythrozyteneinheit pro Transfusion zu verabreichen, obwohl diese Empfehlung auf wenigen Daten basiert. Für die Neonatologie gibt es evidenzbasierte Empfehlungen (unsere aktuelle Literaturrezension) zur Vermeidung einer zu liberalen Dosierung.
Die auch Erwachsene und Kleinkinder einschließende Cochrane Meta-Analyse untersucht den Einfluss des Erythrozytentransfusionsvolumens auf die Mortalität und andere wichtige Ergebnisse im Vergleich zu geringeren Doses pro Transfusionsepisode zur Anämiekorrektur bei stationären Erwachsenen, Kindern und Frühgeborenen.
Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und nicht-randomisierte Interventionsstudien (NRSIs) mit Erwachsenen, Kindern oder Neugeborenen, die ein größeres Erythrozytenvolumen pro Transfusion (Intervention) mit einem kleineren Erythrozytenvolumen (Kontrolle) pro Transfusionsepisode innerhalb von sechs Stunden verglichen. Der Einfluss auf Mortalität, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Anzahl der Tage ohne Krankenhausaufenthalt, transfusionsbedingte unerwünschte Ereignisse (TAAE), Organfunktionsstörungen, die Anzahl der transfundierten Erythrozytenkonzentrate, Nachblutungen und die Exposition gegenüber allogenen Spendern wurde als Behandlungsergebis (Outcome) festgelegt.
Zwölf Studien (n=5478 Teilnehmende) bestehend aus fünf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und sieben kontrollierte nicht-randomisierte Studien (NRSIs) wurden eingeschlossen. Neun Studien berichteten über die Mortalität, wobei die Definition des Todeszeitpunkts variierte. Eine Metaanalyse von Studien mit Erwachsenen zeigte keinen Unterschied in der Mortalität zwischen der Gruppe mit zwei Erythrozytenkonzentraten und der Gruppe mit einer Erythrozytenkonzentrat-Transfusion in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) (RR 1,29, 95 %-KI 0,62 bis 2,67; 2 RCTs, 322 Teilnehmer; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit) oder in nicht-randomisierten Studien (NRSIs) (RR 1,03, 95 %-KI 0,62 bis 1,71; 5 NRSIs, 1198 Teilnehmer; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
In randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zeigte sich kein Unterschied in der Krankenhausverweildauer zwischen der Gruppe mit zwei Erythrozytenkonzentraten und der Gruppe mit einer Erythrozytenkonzentrat-Einheit (MD 0,08, 95 %-KI
−0,66 bis 0,82; 2 RCTs, 311 Teilnehmende; niedrige Evidenzqualität). Auch in nicht-randomisierten Studien (NRSIs) (MD −0,15, 95 %-KI −1,68 bis 1,38; 4 NRSIs, 1048 Teilnehmende; sehr niedrige Evidenzqualität) ergab sich kein Unterschied.
Keine Studie berichtete über krankenhausfreie Tage als Endpunkt.
Es zeigte sich kein Unterschied in der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen zwischen der Gruppe mit zwei Erythrozytenkonzentraten und der Gruppe mit einer Erythrozytenkonzentrat-Transfusion in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) (RR 1,25, 95 %-KI 0,61 bis 2,56; 3 RCTs, 388 Teilnehmende; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit) oder in nicht-randomisierten Studien (NRSIs) (RR 0,74, 95 %-KI 0,30 bis 1,82; 3 NRSIs, 546 Teilnehmende; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit).
Während ihres Krankenhausaufenthalts erhielten die Teilnehmenden der Gruppe mit zwei Erythrozytenkonzentraten mehr Erythrozytenkonzentrate als die der Gruppe mit einer Erythrozytenkonzentrat-Transfusion in den nicht-randomisierten Studien (NRSIs) (MD 0,65 Einheiten, 95 %-KI 0,55 bis 0,75; 4 NRSIs, 1064 Teilnehmende; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Es zeigte sich jedoch kein Unterschied zwischen den Gruppen in den randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) (MD 0,90 Einheiten, 95 %-KI 0,68 bis 1,11; 3 RCTs, 378 Teilnehmer; Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
Bei jeder Transfusion erhielten Patienten der Gruppe mit zwei Erythrozytenkonzentraten 0,66 Erythrozytenkonzentrate mehr als Patienten der Gruppe mit einer Erythrozytenkonzentrat-Transfusion (MD 0,66 Einheiten, 95 %-KI 0,59 bis 0,73; 3 nicht-randomisierte Studien, 791 Teilnehmer), was die Adhärenz zur Intervention widerspiegelt.
Es gab keinen Unterschied zwischen den beiden Erythrozytentransfusionsgruppen in den in den RCTs berichteten Thromboseraten (RR 2,26, 95 %-KI 0,51 bis 9,95; 2 RCTs, 311 Teilnehmer; Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit). In keiner nicht-randomisierten Studie wurden Thromboseraten berichtet. Es zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Erythrozytenkonzentrat-Transfusionsgruppen hinsichtlich der Rezidivblutungsraten, weder in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) (RR 0,52, 95 %-KI 0,16 bis 1,68; 1 RCT, 245 Teilnehmer; Evidenz von moderater Sicherheit) noch in nicht-randomisierten Studien (NRSIs) (RR 0,64, 95 %-KI 0,36 bis 1,14; 3 Studien, 585 Teilnehmer; Evidenz von sehr niedriger Sicherheit).
Bei Erwachsenen ergab der Vergleich von zwei Erythrozytenkonzentraten (größeres Volumen) mit einer Erythrozytenkonzentrat-Einheit (kleineres Volumen) im Rahmen einer einzelnen Transfusion keinen Unterschied in der Mortalität, der Krankenhausverweildauer oder den unerwünschten Ereignissen (TAAEs), allerdings mit niedriger bis sehr niedriger Evidenz. Die Anzahl der benötigten Erythrozytenkonzentrate wurde jedoch reduziert.
Die Ergebnisse für die RCTs alleine sprechen zwar für eine Vermeidung der Doppeleinheiten, basieren aber lediglich auf 2 Studien mit knapp über 300 Teilnehmern (Mortalität RR 1,29 (95% KI 0,62-2,67). Die nicht randomisierten 4 Studien mit nahezu der 4 fachen Teilnehmeranzahl zeigen keine Bevorzugung der Single-Unit-Policy (RR 1,03 (0,6-1,7), egalisieren aber in der Zusammenbeurteilung den Effekt aus den randomisierten Studien.
Wer jetzt aus der Analyse folgert, dass die Praxis der Doppeleinheitentransfusion sicher und deshalb unbedenklich ist, liegt falsch.
Die Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass ein größeres Transfusionsvolumen keinen klinischen Vorteil gegenüber einer kleineren, restriktiveren Transfusionsstrategie (geringeres Transfusionsvolumen) bietet, aber zu einer höheren verabreichten Blutmenge führen kann. Angesichts der mit Erythrozytentransfusionen verbundenen Nebenwirkungen
und der begrenzten Verfügbarkeit allogener Blutprodukte ist es vertretbar, die Empfehlung für die Transfusion einer einzelnen Erythrozyteneinheit pro Transfusionsereignis bei Erwachsenen zu unterstützen. Vermutlich wird sich bei weiterer Sammlung von Studien zu den Outcomeparametern mehr Klarheit ergeben. Bei Kindern ist die Datenlage eindeutiger- dort sind nachteilige Effekte auf das Behandlungsergebnis bei höheren Erythrozytenvolumen unzweifelhaft.
Für Sie gelesen von Th. Frietsch