I.V. Eisen in der Schwangerschaft wirksamer als orales Eisen- Bestätigung durch Meta-Analyse

Sales SK et al. Intravenous vs Oral Iron for Treating Iron Deficiency Anemia in Pregnancy: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Netw Open. 2026;9(9):e2630657. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.30657

Eisenmangelanämie (IDA) tritt weltweit in etwa 37 % überhaupt und bei fast jeder 5. Schwangerschaften auf. Eine Eisenmangelanämie während der Schwangerschaft wird mit ungünstigen mütterlichen und neonatalen Folgen in Verbindung gebracht, wie etwa einem erhöhten Risiko für Frühgeburt, Kaiserschnitt, Bluttransfusion, postpartale Hämorrhagie, mütterlichen Tod, Aufnahme auf die neonatologische Intensivstation, niedriges Geburtsgewicht sowie ein für das Gestationsalter zu geringes Gewicht. Vermutlich ist aber auch schon ein einfacher Eisenmangel mit negativen Folgen für den werdenden Organismus vergesellschaftet. Dementsprechend wird bei die Überprüfung des Eisenstatus in der Schwangerschaft und eine korrekte Diagnosestellung in der Schwangerschaft empfohlen. Die orale kostengünstige Eisentherapie ist in vielen Fällen schlecht verträglich und aufgrund der niedrigen Dosis und der eisenspezifischen intestinalen Aufnahmephysiologie ungeeignet. Der auch ohne Mangelernährung schlecht zu deckende, enorme Eisenbedarf in der Schwangerschaft trifft auf weitere physiologische Besonderheiten des Hepcidin-Ferroportin-Signalwegs und dernSignalweg der eisenregulatorischen Proteine ​​(IRPs). Im späten Stadium der Schwangerschaft ist eine durch bislang unbekannte Faktoren vermittelte Unterdrückung des mütterlichen Hepcidins erforderlich, um die Eisenverfügbarkeit für den wachsenden Fötus zu erhöhen. Die Placenta besitzt eine Ausgleichmöglichkeit für leichte, nicht aber schwere Mangelzustände (Lakhal-Littleton S. 2020). 

Die hochdosierte intravenöse EIsentherapie mit den bei uns verfügbaren Präparaten Eisencarboxymaltose und Eisenderisomaltose ist sicher, schneller und wirksamer, aber auch teurer. Das war bislang zwar vermutet worden, aber  eine damalige Meta-Analyse konnte das nicht bestätigen: Hinsichtlich der Notwendigkeit von Bluttransfusionen, der Kaiserschnittrate oder hämatologischer Parameter bei den Neugeborenen hatten sich trotz eines moderaten Anstiegs der Hämoglobinkonzentration und des Geburtsgewichts keine Unterschiede zeigen lassen (Lewkowitz et al. 2019).

Die Neuauflage mit 10 weiteren bislang unberücksichtigten Studien als Vergleich der oralen mit der intravenösen Eisentherapie ist jetzt in JAMA von einer amerikanischen Autorengruppe veröffentlicht worden. Eine RCT-Studie (randomized controlled trial) aus der ursprünglichen Metaanalyse zurückgezogen worden, sodass insgesamt 29 RCTs mit n=11.771 einzelnen Teilnehmenden vorlagen. Im Vergleich zur oralen Eisengabe war die intravenöse (i.v.) Eisentherapie mit höheren mittleren Werten für das mütterliche Hämoglobin (gewichtete mittlere Differenz [WMD] in 15 Studien: 0,59 g/dl [95-%-KI: 0,31–0,87 g/dl]) und das mütterliche Ferritin (WMD in 8 Studien: 50,93 ng/ml [95-%-KI: 33,56–68,29 ng/ml]) sowie das neonatale Ferritin (WMD in 8 Studien: 21,38 ng/ml [95-%-KI: 5,50–37,25 ng/ml]) zum Zeitpunkt der Entbindung assoziiert. Zudem ging sie mit einer um 37 % niedrigeren Rate an Bluttransfusionen während des Krankenhausaufenthalts zur Entbindung einher (Relatives Risiko [RR] in 14 Studien: 0,63 [95-%-KI: 0,49–0,82]), insbesondere bei Patientinnen mit einem Hämoglobin-Ausgangswert von 9 g/dl oder weniger (RR in 6 Studien: 0,58 [95-%-KI: 0,45–0,76]). Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse gemeldet. Die i.v.-Eisentherapie war mit einer um 43 % niedrigeren Rate an leichten unerwünschten Wirkungen verbunden (RR in 31 Studien: 0,56 [95-%-KI: 0,41–0,76]).

In Deutschland ist die intravenöse Eisentherapie in der Schgwangerschaft immer noch nur eine Zweitlinientherapie: 

Die intravenöse Gabe ist in der Schwangerschaft eine Zweitlinien-Therapie der niedergelassenen GynäkologIn/GeburtshelferIn: Um Regressansprüche (Wirtschaftlichkeitsprüfung des MDK) zu vermeiden, muss die medizinische Notwendigkeit exakt in der Patientenakte dokumentiert sein. Voraussetzungen sind der Nachweis einer schweren Anämie (in der Regel Hb < 10,0 g/dl bzw. Ferritin < 15–30 μg/l) sowie das Versagen oder die Unverträglichkeit der oralen Eisentherapie (z.B. wegen starker Magen-Darm-Beschwerden ) nach Abschluss des ersten Trimenons. 

Ich finde, die Zeit zur Erstlinientherapie ist gekommen.

Pubmed

Für Sie gelesen von Th. Frietsch

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