Interdisziplinäre Management Tools: Qualitätssicherung in der Hämotherapie

Wade J, Dean CL, Krummey SM, Roback JD, Sullivan HC. How do I … implement diagnostic management teams in transfusion medicine? Transfusion. 2019 Dec 10. doi: 10.1111/trf.15618.

In den USA sind vor 20 Jahren aufgrund der Spezialisierung in den Medizinischen Fachbereichen sogenannte diagnostische Management Teams (DMT) geschaffen worden. Sie sollen die Expertise eines Labormediziners, Radiologen, etc. zur Interpretation ihrer Diagnostik mit dem Kliniker diskutieren, damit die therapeutischen Schlüsse für den individuellen Patienten stimmen. Damit soll die Behandlungsqualität und Patientensicherheit gesteigert sowie die Diagnostik- und Behandlungskosten gesenkt werden.

Das Problem wird in Hämotherapie und Hämostaseologie deutlich: Kliniker brauchen den interdisziplinären Austausch mit dem Hämostaseologen, Pathologen, Transfusions- und Labormediziner als auch Onkologen und Hämatologen, um nur die häufigsten Konstellationen zu nennen. Das hat nun die Transfusionsmedizin in Atlanta dazu bewogen, das Konzept DMT zu implementieren und die Erfolge zu dokumentieren. In ihrem Artikel beschreiben die Autoren den beispielhaften Einsatz von DMT für die Empfänger mit "Refraktärität", einem ungenügenden Anstieg der Thrombozytenzahl nach Transfusion eines Thrombozytenkonzentrats (TK).

Die Hälfte aller refraktären Fälle sind "nicht-immunologischer" Natur: Blutung, Sepsis, DIC, toxische und pharmakologische Interaktionen. Die andere Hälfte umfasst vorliegende HLA oder HPA Antikörper gegen das leukozytäre oder thrombozytäre Antigenmuster.

Zur Diagnosesicherung, zum Anamneseaustausch und dem aktuellen Patientzustand sowie der Testanordnung, Resultatmitteilung und Interpretation sind intensive Kommunikationsmittel notwendig, die dem Behandlungsteam oder dem DMT zur exakten Hämotherapie verhelfen. Zum Beispiel sind neben ELISA, beads-markierten flowzytometrischen Screeningtests etc. auch weitere Untersuchungen wie Kreuzproben für TKs zur Ermittlung von verträglichen Konserven notwendig. Bei negativen Ergebnissen trotz festgestellter Refraktärität werden, z.B. beim verwendeten ELISA-Test, aufgrund seiner ungenügenden Sensitivität andere Tests in Kombination notwendig.

Vor der Einführung der DMTs wurde in Atlanta retrospektiv für die vorangegangenen 7 Jahre analysiert, wie die Praxis aussah: In 60% der angeforderten Spezialuntersuchungen war vorher kein korrigiertes Inkrement bestimmt worden. Auch waren fehlende Weiterdifferenzierungen und redundante Laboranforderungen in dieser Phase festzustellen.

Ein diagnostischer Algorithmus wurde entwickelt und den meist hämatologischen Klinikern an die Hand gegeben. Die Krankenhausverwaltung war involviert und das Konzept vom medizinischen Komittee der Einrichtung abgesegnet worden. Nach Abarbeitung des Algorithmus erstellte die Immunhämatologie/Pathologie seit 2018 einen Abschlussbericht und erstellte einen Versorgungsplan für den individuellen Patienten für die Krankenakte.

Alle Patienten mit einem geringeren Inkrement als 7 500 wurden nun der weiteren Labordiagnostik zugeführt. Der Testumfang zur erfolgreichen Diagnostik konnte reduziert werden, die Zeit von der Anforderung der Diagnostik bis zur Diagnosestellung verkürzte sich bei einem immer anforderbaren Test von 4 auf 2 Tage, die Verfügbarkeit von kompatiblen Konserven um einen Tag.

Damit hatte man in einer nur kurz andauernden 9-Monatigen Erprobungszeit den Erfolg des interdisziplinären Konzepts dargestellt.

Die Folgerungen, die wir in Deutschland daraus ziehen können, sind natürlich auf unseren Verhältnisse zuzuschneiden. Die Methodik ist denkbar einfach: Eine retrospektive Analyse stellt die Effektivität und die Ressourccennutzung des bisherigen Konzepts dar, ein Algorithmus wird erarbeitet und mit Unterstützung der Verwaltung eingeführt und dann in regelmäßigen Abständen die Resultate von der Qualitätssicherung festgestellt. Mehrere interdisziplinäre hämotherapeutische Szenarien neben der vom Autorenteam dargestellten, bieten sich an: Präoperative Anämie, hereditäre und erworbene Gerinnungsauffälligkeiten, Zeugen Jehovah, Chronische Transfusion, etc.

Wie ich finde, ein sehr kluger und eigentlich bekannter Qualitätssicherungsprozess zur Verbesserung unserer Hämotherapie hin zur effektiven und bereichernden Interdisziplinarität. Bitten wir unsere Qualitätsbeauftragten Hämotherapie um Unterstützung!

 

Pubmed

Für Sie gelesen von Th. Frietsch

 

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