Kardiale Begleiterkrankung und Transfusion beim Intensivpatienten
Kimmoun A et al. Association between red blood cell transfusion and adverse clinical outcomes is independent of cardiac history: a multicenter observational InPUT study analysis. Crit Care 2025 Dec 18;29(1):526. doi: 10.1186/s13054-025-05745-5.
Zeitgleich zur MINT Studie (wir berichteten), die nahelegte, dass anämische Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt eventuell von einem liberaleren Transfusionstrigger profitierten, fand die InPUT Studie auf mehreren holländischen Intensivstationen statt. Die Studie analysierte die Transfusionsgewohnheiten und die Auswirkungen auf Patientenmorbidität und Mortalität. Da Intensivpatienten häufig koronare Begleiterkrankungen und kardiale Komorbiditäten haben, es aber zum transfusionsassoziierten Behandlungsergebnis keine evidenzbasierten Daten nach dem Intensivaufenthalt gibt, ermöglichte die große qualitativ hochwertige Datenmenge eine großartige Gelegenheit.
Das Autorenteam analysiertes Behandlungsergebnis transfundierter Intensivpatienten nach 28 Tagen hinsichtlich einem Verbund von Letalität, neu aufgetretener Nierenschädigung oder Weaningversagen bezüglich ihrer Verbindung zur kardinalen Anamnese (akutes Koronarsystem und Herzinsuffizienz).
Eine kardiale Vorerkrankung lag bei 746 von 3643 Patienten (20 %) vor, und 894 von 3643 (25 %) erhielten mindestens ein EK.
Die Transfusionsraten waren bei Patienten mit und ohne kardiale Vorerkrankung vergleichbar (25 % vs. 24 %; p = 0,51). Bei den transfusionspflichtigen Patienten war der mediane Hämoglobin-Nadir während des Intensivstationsaufenthalts bei Patienten mit kardialer Vorerkrankung geringfügig höher (7,6 g/dl vs. 7,4 g/dl; p = 0,007), während die festgelegte Hämoglobin-Transfusionsschwelle sich statistisch nicht unterschied (8,5 g/dl vs. 8,0 g/dl; p = 0,11).
Jede zusätzliche Erythrozytenkonzentrat-Einheit erhöhte die Wahrscheinlichkeit für den kombinierten Endpunkt in der gesamten Kohorte (2,18; 95 %-KI 1,85–2,56; p < 0,0001), ohne Wechselwirkung mit der kardialen Vorerkrankung (p = 0,44).
Die Autoren folgern, dass Erythrozytentransfusionen bei schwerkranken Patienten mit und ohne kardiale Vorerkrankungen häufig und in ähnlichem Umfang verordnet werden, jede zusätzliche Einheit mit einem schlechteren Behandlungsergebnis verbunden ist.
Das Fehlen einer Assoziation der Wirkung zur kardialen Vorerkrankung bestätigt erstmal auch in diesem Bereich einen restriktiven Umgang mit EKs, auch bei stabile KHK, Herzinsuffizienz etc.
Für Sie gelesen von Th. Frietsch