Liberal (Hb 9) ist besser als Restriktiv (Hb 7) beim Schädel Hirn-Trauma- TRAIN
Zernini IS, et al. Restrictive vs liberal transfusion strategy in traumatic brain injury: a secondary analysis of the TRAIN trial.JAMA Netw Open 2026;9:e2632555.
In einer Sekundäranalyse der TRAIN-Studie verglichen Zernini et al. zwei Hämoglobin(Hb)-Schwellenwerte für die Einleitung einer Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (EK) bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Die 2024 publizierte internationale RCT- Studie untersuchte eine liberale (Transfusion bei Hb <9 g/dl) und eine restriktive (Transfusion bei Hb <7 g/dl) Transfusionsstrategie über einen Zeitraum von maximal 28 Tagen. Primärer Endpunkt war das Auftreten eines ungünstigen neurologischen Ergebnisses nach 180 Tagen, definiert als ein Wert von 1 bis 5 auf der „Glasgow Outcome Scale Extended“ (Gesamtbereich 1–8; höhere Werte stehen für ein günstigeres Ergebnis). Damals wurden außer traumatische Schädelhirn-Verletzungen auch intrazerebrale und subarachnoidale Blutungen eingeschlossen und Gruppen von ca. n=400 Patienten verglichen (n=820 randomisiert). Das neurologische Ergebnis war unter der liberalen Transfusionstherapie um 10% signifikant besser.
Um eine Transfusionsstrategie speziell für SHT zu begründen, ist nun nochmalig eine Subanalyse der Studiendaten erfolgt. Von 486 Patienten, die mit einem akuten SHT aufgenommen wurden, gingen 475 in die Analyse des primären Endpunkts ein. Wie das bei initial 820 randomisierten Patienten geht, wird nicht erklärt.
Knapp ein halbes Jahr nach der Randomisierung wiesen nur 58,5 % der Patienten in der liberalen Gruppe ein ungünstiges neurologisches Ergebnis auf, verglichen mit 67,4 % in der restriktiven Gruppe (relatives Risiko [RR] 0,86 [95-%-KI 0,75–1,00]; p = 0,047; Fragilitätsindex = 1). Hinsichtlich der 28-Tage-Mortalität oder schwerwiegender unerwünschter Ereignisse zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Nach Bereinigung um verschiedene Störfaktoren (Confounder) war die Zuteilung zur liberalen Gruppe mit einer geringeren beobachteten Wahrscheinlichkeit für ein ungünstiges neurologisches Ergebnis assoziiert (Odds Ratio 0,60 [95-%-KI 0,38–0,94]; p = 0,03).
Damit scheinen die Unsicherheiten durch die Heterogenität im TRAIN- Trial beseitigt. Bleiben leichte Zweifel, was die Fallzahl angeht...
Für Sie gelesen von Th. Frietsch