Lieberal oder restriktive Transfusion für extrem untergewichtige Frühgeborene?
Andersen C et al. Low versus high haemoglobin concentration threshold for blood transfusion for preventing morbidity and mortality in very low birthweight infants. Cochrane Database Syst Rev. 2025
Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht erhalten während ihres ersten Krankenhausaufenthalts häufig Erythrozytenkonzentrate (EK). Dies erfolgt in der Regel anhand vorab festgelegter Hämoglobin- oder Hämatokrit-Trigger gemäß einem Protokoll oder in Abhängigkeit von klinischen Situationen, einschließlich kritischer Erkrankungen oder Operationen. Bisherige Empfehlungen sprechen sich dafür aus, in den ersten Lebenswochen, wenn das Risiko schwerwiegender Komplikationen am höchsten ist, höhere Schwellenwerte beizubehalten und danach niedrigere Schwellenwerte zuzulassen. In Abwägung der potenziellen Auswirkungen einer chronischen Anämie auf die neurologische Entwicklung sowie das Risiko transfusionsbedingter Komplikationen beim unreifen Organismus. Bisherige Studien haben diese Praxis widergespiegelt, indem sie Hämoglobinwerte verglichen, die an kritische Erkrankungen angepasst waren, und Transfusionsalgorithmen verglichen, die mit festen Differenzen zwischen Hämoglobin-Schwellenwerten arbeiten, wobei beide Schwellenwerte mit zunehmendem postnatalen Alter schrittweise gesenkt werden.
In dieser neuen Cochrane-Meta-Analyse wurden insgesamt 6 kontrollierte (prospektiv randomisierte) Studien mit insgesamt n= 3451 Kindern und einer Transfusion innerhalb der ersten 3 postnatalen Tage eingeschlossen.
Das Outcome als Verbundergebnis umfasste Tod alleine oder in Verbund mit neurologischer Behinderung nach 18-26 Monaten. Als verbundenes Behandlungsergebnis fand sich kein Unterschied (RR 1.02, 95% CI 0.95 to 1.09; I2 = 55%; RD 0.01, 95% CI, -0.03 to 0.04; 3 Studien, n=3041 hohes Evidenzniveau). Die Sterblichkeit gesondert betrachtet nach 18 bis 26 Monaten war nicht unterschiedlich (RR 0.99, 95% CI 0.83 to 1.17; I2 = 0%; RD -0.00, 95% CI -0.03 to 0.02; I2 = 0%; 3 Studien, n=3186; hohes Evidenzniveau). Kinder in der restriktiven Therapieschiene erhielten im Schnitt eine Blutkonserve weniger (mittlerer Unterschied pro Kind -1.05, 95% CI -1.26 to -0.84; I2 = 84%; 6 Studien, n=3451; niedriges Evidenzniveau aufgrund mangelnder Verbindung und Inkonsistenz).
Die niedrigen Schwellen der einzelnen Studien müssen allerdings detaillierter betrachtet werden und sind nur im Zusammenhang zum behandelten Kollektiv zur Übernahme geeignet. Diese Analyse stellt allerdings ein weiterer Baustein zur Sicherheit der eher restriktiven Transfusionsstrategie auch in diesem Kollektiv dar.
Für Sie gelesen von Th. Frietsch