Maschinelle Autotransfusion in der Unfallchirurgie

Jon Waters. Cell Salvage in Trauma. Curries Opinion Ansthesiol 2021; 34:503 – 506

In der Literaturübersicht beklagt Jon Waters zurecht, dass die maschinelle Autotransfusion (MAT) zu wenig vor allem bei stark blutenden Verletzten eingesetzt wird. Ebenso finden sich in den letzten Jahren kaum Veröffundierten entlichungen zu diesem Thema. 

Vermutlich ist die Angst vor Infektionen aus verschmutzen penetrierenden Wunden der Grund für den mangelnden Einsatz. Allerdings gibt es keine Evidenz dafür, dass diese Vorsicht gerechtfertigt ist, da der Waschprozess die meisten Erreger und Fremdkörper beseitigt. In einer der wenigen prospektiven Studien mit Kontrollgruppe veröffentlichten Ozmen et al. den Einsatz von MAT bei penetrierenden Bauchverletzungen. Im Vergleich zu den mit Fremdblut transfundierten Patienten waren auch in der MAT-Gruppe (durchschnittliches Retransfusionvolumen 3900ml!) weder vermehrt Wundinfekte noch andere infektiöse Komplikationen zu beklagen.

Dabei können oftmals gut 50% der sonst anfälligen Fremdblutkonserven durch die MAT ohne zusätzliche infektiöse Risiken eingespart werden, wie eine weitere ältere kontrollierte Studie bei Bauchverletzungen von Bowley et al. zeigte (6,47 EK + 1493ml MAT versus 11,2 EKs). Die potenzielle Verunreinigung der Abdominalflüssigkeit mit Darminhalt hat sich im Tierversuch auch ohne Reduktion durch einen Waschvorgang als folgenlos herausgestellt, wenn die übliche Antibiotikaprophylaxe durchgeführt wird. Der Waschvorgang selbst beseitigt die Bakterien zu über 77-90%, wie in experimentellen Studien mit abgelaufenen Konserven, die mit verschiedenen Konzentrationen von E.coli geimpft wurden, ermittelt werden konnte. Der zusätzliche Einsatz von Leukozytendepletionsfiltern erreicht eine 98-100%ige Elimination verschiedener Erreger, wie die Arbeitsgruppe des Autors berichten konnte. 

Auch für den MAT-Einsatz beim Thoraxtrauma zur Reinfusion der Flüssigkeit aus dem Pleuraraum haben sich keine infektiösen Komplikationen ergeben (Rhee et al). Dabei ist der Einsatz von MAT-Blut auch ohne die Gefahr der Fettembolie und dissiminierten Gerinnungsstörung, da der integrierte Filter- und Waschvorgang Fettpartikel, Knochensplitter, Komplementfaktoren und Prokoagulatoren gleichermaßen weitgehend beseitigt.

Wir haben in den meisten Einrichtungen, die Polytraumen versorgen auch ein MAT-Gerät zur Verfügung. Wir müssen nur dran denken!

Meines Erachtens ein guter und lesenswerter Artikel mit wichtiger klinischer Aussage, der vielleicht auch einige Anregung zur Durchführung einer deutschen Anwendungsstudie, prospektiv, multizentrisch mit Kontrollgruppe gibt.

 

Pubmed

Für Sie gelesen von Th. Frietsch

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