Prophylaktische Thrombozytentransfusion bei Neu- und Frühgeborenen

Die Transfusionstrigger für Neu- und Frühgeborenen mit schwerer Thrombozytopenie sind bislang unklar, obwohl ca. 5% der Frühgeborenen unter einem Gestationsalter von 30 Wochen eine schwere Thrombopenie unter 50 000/µl entwickeln. Die prophylaktische Thrombozytentransfusion wird trotz fehlender Evidenz meist erst ab einer Thrombozytenzahl unter 50 000/µl empfohlen: In einer Beobachtungsstudie "Platelets for Neonatal Transfusion–Study 1" bluteten nur wenige (9%) und nur 42% der kleinen Patienten mit einer Thrombozytenzahl (Plt) < 50 000/µl bzw.  92% < 25 000/µl wurden transfundiert.

Eine kontrollierte multizentrische Studie aus Irland, UK und Holland (PlaNeT2 MATISSE) hat nun bei Neu- und Frühgeborenen unter dem Gestationsalter von 34 Wochen untersucht, ob dieser Transfusionstrigger gerechtfertigt ist oder ob wir nicht vielleicht erst später transfundieren müssen. Eingeschlossen wurden 660 Frühgeborene mit einem mittleren Geburtsgewicht 740 g im mittleren Gestationsalter von 26.6 Wochen. Transfundiert wurde am 7. beziehungsweise 8 Tag nach Geburt bei einer Plt von 38 000/µl bei Randomisierung. In der liberalen Transfusionsstrategiegruppe wurden die Frühgeborenen ab einer Thrombozytenzahl von 50 000/µl zu 90% (296 von 328) mit mindestens einer gewichtsadaptierten Einheit Thrombozytenkonzentrat (TK) versorgt. In der restriktiven Gruppe wurden die Frühgeborenen erst ab 25 000/µl Thrombozyten transfundiert (53% (177 von 331).  

Tod oder eine größere Blutung ereignete sich überraschender Weise in der liberal transfundierten Gruppe häufiger (26% vs. 19%, Odds Ratio OR 1.57; 95% Konfidenzinterval [CI], 1.06 - 2.32; p=0.02). Ernsthafte weitere Komplikationen waren in beiden Gruppen gleich (25%  vs. 22% liberal vs. restriktiv; OR 1.14; 95% CI, 0.78 - 1.67, n.s.), sowohl in der "intention to treat"- als auch in der "per-protocol"-Auswertung. Die Anzahl der bronchopulmonalen Dysplasien war in der liberal transfundierten Gruppe höher- ein Zusammenhang mit der Behandlung durch Thrombozytentransfusion ist möglich, wenngleich nicht bewiesen.

Im Ergebnis kann also auch bei Frühgeborenen restriktiv erst ab einer Plt von 25 000/µl transfundert werden.

 

Pubmed

Für Sie gelesen von Th. Frietsch 

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