Anti B oder alpha Gal- Neues zur allergischen Transfusionsreaktion

de Chaisemartin L et al. Severe allergic transfusion reactions to group B/AB plasma or platelets in group O recipients are linked to α-Gal sensitization. Blood 2026 Jun 18;147(25):3113-3117. doi: 10.1182/blood.2025032045

Allergische Transfusionsreaktionen (ATR) sind potenziell lebensbedrohliche unerwünschte Ereignisse, die bei etwa 0,3 % bis 6 % aller Plasma- oder Thrombozytenkonzentrat (TK) -Transfusionen auftreten. Als wesentlicher Mechanismus gilt eine Immunglobulin-E (IgE)-vermittelte Reaktion gegen Spenderproteine, wie beispielsweise IgA oder Haptoglobin, bei Patienten mit entsprechendem Mangel.

Kürzlich berichteten immer mehr Autoren (Malard 2025, Jacobs 2026, Miller 2026, und andere) , dass Empfänger der Blutgruppe O, die TKs oder Plasma der Blutgruppe B oder AB erhielten, ein signifikant höheres Risiko für schwere ATR aufwiesen als Empfänger anderer ABO-Konstellationen. Angesichts der antigenen Ähnlichkeit zwischen der Determinante der Blutgruppe B und dem Galactose-α-1,3-Galactose (α-Gal)-Epitop vermuten wir, dass eine durch α-Gal-spezifisches IgE vermittelte Sensibilisierung bei diesen ATR eine Rolle spielt.

Das α-Gal- Syndrom (AGS) wird oft durch Zeckenbisse ausgelöst, was zu einer verzögerten Überempfindlichkeitsreaktion auf Säugetierfleisch und verwandte biologische Produkte führt. Die Symptomatik mit Urtikaria, Angioödem und Atemnot tritt meist nach Verzehr innerhalb von 2 bis 6 Stunden auf.  AGS wurde mit dem männlichen Geschlecht und zunehmendem Alter in Verbindung gebracht [6], was möglicherweise auf vermehrte Outdoor-Aktivitäten und eine kumulative Zeckenexposition zurückzuführen ist. 

In der nun in Blood publizierten Arbeit untersuchten die französischen AutorInnen das Vorkommen von Anti-α-Gal-IgE bei einer Kohorte von 59 Patienten mit schweren ATR. Sie stellten fest, dass Empfänger der Blutgruppe O, die Blutkomponenten (Plasma oder TK) der Blutgruppe B oder AB erhalten hatten, wesentlich häufiger hohe Titer an gegen die Blutgruppe B kreuzreaktivem Anti-α-Gal-IgE aufwiesen als andere Patienten; dies stützt die Hypothese, dass eine α-Gal-Sensibilisierung diesen schweren ATR zugrunde liegt. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die α-Gal-Sensibilisierung einen zusätzlichen Mechanismus für ATR bei ABO-inkompatiblen Transfusionen darstellt und bei Patienten der Blutgruppe O, die Plasma oder Thrombozyten der Blutgruppe B oder AB erhalten haben, systematisch untersucht werden sollte.

Diese überraschenden Ursachen einiger allergischen Transfusionsreaktionen samt seiner Symptomatik entdeckt zu haben, hilft die Hämotherapie durch verbesserte Screeningmethoden der Patienten oder antiallergische Therapie sicherer zu machen. Deshalb wissenschaftlich spannend UND praktisch wertvoll.

Pubmed

Für Sie gelesen von Th.Frietsch

 

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