NIRS verifiziert restriktive Transfusionsindikation bei Frühgeborenen

Bailey DN et al. The Effect of Liberal versus Restrictive Haemoglobin Thresholds on Cerebral Tissue Oxygenation in Preterm Infants: A Systematic Review and Meta-Analysis. Neonatology. 2026 Jun 18:1-18. doi: 10.1159/

Die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) wird zur Beurteilung der zerebralen Oxigenierung und den Effekt einer Erythrozyten-Transfusion (EK) verwendet. Licht im nahen Infrarotbereich (ca. 700 bis 1000 nm) kann Haut, Schädelknochen und Liquor problemlos durchdringen, nach Absorption des sauerstoffbeladenen Hämoglobins kann die Reflexion verlässlich gemessen werden. Das ist besonders bei Frühgeborenen relativ verlässlich und auch wichtig, um Sauerstofftoxizität zu vermeiden. Deshalb erscheint es plausibel, die lange Diskussion um liberal oder restriktive Transfusionstrigger bei den besonders sauerstoffsensiblen unreifen Neugeborenen mittels NIRS zu bereichern. Dieses Patientenkollektiv benötigt bisher zu über 80% mindestens einmalig ein EK!

Die bisherigen Studien ETTNO (Kirpalani et al. 2020) und TOP (Franz et al, 2020) fanden keinen Unterschied hinsichtlich der neurologischen Langzeit-Entwicklung von restriktiv oder liberal transfundierten Kinder, was eine Cochrane Analyse 2025 bestätigte. Eine aktuelle Metaanalyse hat deshalb die Veränderungen der zerebralen Oxigenierung mit NIRS bei Frühgeborenen nach einer Transfusion unter Anwendung liberaler versus restriktiver Hämoglobin-Schwellenwerte und die damit verbundenen Ergebnisse verglichen. Liberale und restriktive Trigger werden  oft nicht einheitlich definiert. Unter einem Hämoglobinspiegel von 9,6g/dl sinkt die Sauerstoffextraktion meist in diesem Kollektiv.

Von 43 Volltextartikel wurden  sieben Studien (3 prospektive Beobachtungen, 4 randomisierte RCTs) in die Metaanalyse aufgenommen (restriktiver Schwellenwert: n=357, liberaler Schwellenwert: n=220). Die zerebrale Sauerstoffsättigung (crSO2) stieg nach der Transfusion sowohl in der Gruppe mit restriktivem (6,40 %; 95%-KI [3,85; 8,95]; p<0,001) als auch in der Gruppe mit liberalem Schwellenwert (2,75 %; 95%-KI [0,35; 5,14]; p=0,03) an. Das Ausmaß der Veränderung war jedoch bei den Patienten, die bei Erreichen eines restriktiven Schwellenwerts transfundiert wurden, größer (Q=4,19; df=1; p=0,04). Zudem zeigte die Gruppe mit restriktivem Schwellenwert einen stärkeren transfusionsbedingten Rückgang der zerebralen fraktionellen Sauerstoffextraktion als die Gruppe mit liberalem Schwellenwert (Q=8,30; df=1; p<0,001).

Bei Frühgeborenen mit restriktivem Schwellenwert zeigten sich stärkere Verbesserungen der zerebralen Oxygenierung, was auf einen größeren physiologischen Nutzen der Transfusion hindeutet. Aussagekräftige klinische Schlussfolgerungen wurden jedoch aufgrund der geringen Evidenzstärke und erheblicher Inkonsistenzen in der Berichterstattung von den Autoren sehr zurückhaltend gezogen.

Da wir nichts besseres bislang untersucht haben, das Verfahren noninvasiv über Klebeelektroden funktioniert und die richtige Methode zur Differenzierung von Unter- und Übertransfusion zu sein scheint, müsste dieses Verfahren zur Individualisierung des Transfusionseffekts eingesetzt werden. Dann wäre die Frage Liberal oder restriktiv überholt.

Pubmed

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Für Sie gelesen von Th. Frietsch 

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