POCT-Gerinnungsmanagement für Trauma- Fixe Schemata (1-1-1 etc.) oder viskoelastische Tests?
Mitra B et al. Pro-Con Debate: Formulaic Approach Using Fixed Ratios of Blood Components Versus Targeted Therapy Approach Guided By Viscoelastic Hemostatic Assays for Resuscitation in Traumatic Major Hemorrhage. Anseht Analog 2026 pub, ahead of print DOI:
Zirka ein Drittel der Schwerverletzten leidet unter einer spezifischen Trauma-induzierten Koagulopathie (TIC), die sich von anderen Gerinnungsstörungen gravierend unterscheidet. Während eine standardisierte Tranfusionstherapie mit festen Verhältnissen von Plasma-Komponenten und Thrombozyten durch ihre rasche Verfügbarkeit ohne diagnostisch bedingten Zeitverlust Vorteile mit sich bringt, die eingeübte Tätigkeit eine hohe Sicherheit mit sich bringt, könnte sie doch den individuellen Anforderungen nicht gerecht werden, ineffektiv sein und Fehldosierungen, Übertransfusion und erhöhten Blutprodukteverbrauch nach sich ziehen.
Viskoelastische Tests (VET) sind nicht überall verfügbar, da wo sie es aber sind, wo die Nutzer eingeübt sind und algorithmengesteuerte Diagnostik die Hinweise für zielgesteuerte Therapie der Gerinnungsstörungen gibt, dort kann die Mortalität um bis zu 25% gesenkt werden(!), wie eine aktuelle Meta-Analyse zeigt. (Abbildung)
Die Autoren diskutieren und einigen sich (Darstellung im Artikel in einer Tabelle 1), dass
- die Therapie der traumatischen Koagulopathie (TIC) von einem standardisierten Vorgehen profitiert
- die traumatischen Koagulopathie schwierig frühzeitig vorherzusehen und diagnostisch zu bestätigen ist,
- zusätzliche Untersuchungen eine Belastung in einem Team bedeutet, das sich um einen kritischen Patienten in einer kritischen Notfallsituation kümmert,
- die mit POCT-Gerinnung oder viskoelatsichen Tests verbundenen Maßnahmen und Wartezeiten die kritischen Schritte der Patientenversorgung verzögern können
aber auch, dass
- ein festes Verhältnis - Therapieschema die TIC nicht identifizieren kann
- die zielgerichtete Therapie Fürher Homöostase erreichen kann, was mit geringerer Morbidität und Mortalität assoziiert ist
- POCT Gerinnungsmanagement verhindert unnötige und inadäquate Transfusion und Gerinnungsmanagement
- POCT GM dagegen erreicht eine adäquate und effektive Therapie von blutenden Patienten mit TIC
Es ist relativ einleuchtend, dass die standardisierte Therapie mit einem fixen Schema einfacher und leichter zu handhaben ist, als die individualisierte diagnostikgesteuerte Methode der Therapie mit Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten. Es ist auch klar, dass die bislang unterschätzten Folgen von Übertransfusion und Konservenverschwendung durch VET besser vermieden werden.
In diesem Zusammenhang sind die drei wichtigsten Guidelines erwähnt, die die Anwendung von VET und POCT-Gerinnung unterstützen. (s.u.)
Sehr lesenswert und hoffentlich die durchschlagende Argumentation FÜR die Etablierung von VET, wo sie es noch nicht sind!
Für Sie gelesen von Prof. Dr. Th. Frietsch
Literatur der Algorithmen: