Prähospitales Vollblut vs. Komponenten- SWIFT TRial!

Smith JE et al. Prehospital Whole Blood in Traumatic Hemorrhage — A Randomized Controlled Trial. NEJM 2026; 394:2305-16. DOI: 10.1056/NEJMoa2516043

Die SWIFT Studie

Die Transfusion von Vollblut bei der Behandlung schwerer Blutungen ist in jüngster Zeit vielfach als die Neuigkeit propagiert, die sich in einigen Beobachtungsstudien der präklinischen Transfusionstherapie mit Komponenten überlegen dargestellt hat. Zur Evidenzbeurteilung benötigt diese Methode jedoch Daten aus großen klinischen Studien, die ihre klinische Wirksamkeit und Sicherheit prospektiv und randomisiert untersuchen.

Solch eine pragmatische, multizentrische, offene, randomisierte Überlegenheitsstudie der Phase 3 wurde als "SWIFT Trial" bei zehn Luftrettungsdiensten in England durchgeführt. Patienten mit schweren traumatischen Blutungen, die von einem teilnehmenden Luftrettungsdienst versorgt wurden, erhielten nach Randomisierung vor der Ankunft im Krankenhaus entweder eine Vollbluttransfusion (bis zu 2 Einheiten) oder die Standardversorgung mit Blutkomponenten (jeweils bis zu 2 Einheiten Erythrozytenkonzentrat und Plasma). Der primäre Endpunkt war ein kombinierter Endpunkt aus Tod (jeglicher Ursache) oder Massivtransfusion (≥10 Einheiten Blutkomponenten oder -produkte) innerhalb von 24 Stunden nach der Randomisierung.

Insgesamt wurden 942 Patienten randomisiert. Nach Ausschluss von Teilnehmern mit nicht-traumatischer Blutung oder traumatischem Herzstillstand wurden 616 Patienten in die Analyse einbezogen (314 in der Vollblutgruppe und 302 in der Gruppe mit Standardversorgung). Das Durchschnittsalter der Patienten in der Vollblut- (VB) bzw. Komponentengruppe (Komp) lag bei 38 bzw. 35J, zu ca.75% männlich, penetrierende Traumen zu 27 bzw 34%, mittlerer Injury Score bei 33 bzw. 34, sonst ohne große demographische Unterschiede. Die Komp-Gruppe erhielt naturgemäß durch die längere Lagerbarkeit ältere Konserven (13,5 vs. 18 Tage).

Ein Ereignis gemäß dem primären Endpunkt trat bei 48,7 % vs. 47,7 % der Teilnehmer in der VB-Gruppe vs. Komp-Gruppe auf (relatives Risiko: 1,02; 95%-Konfidenzintervall: 0,80 bis 1,31; P=0,84). Die Inzidenz von Todesfällen jeglicher Ursache zu allen Zeitpunkten, von Massivtransfusionen sowie von anderen sekundären Endpunkten schien in beiden Gruppen vergleichbar zu sein. Die Prothrombinzeit lag bei 40,7 % der Teilnehmer in der Vollblutgruppe und bei 30,5 % der Teilnehmer in der Standardversorgungsgruppe oberhalb des Normbereichs. In der Komp-Gruppe traten geringfügig mehr schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf als in der VB-Gruppe (37 bzw. 31). Die Inzidenz thrombotischer Ereignisse schien in beiden Gruppen ähnlich zu sein.

 

Bei Teilnehmern mit lebensbedrohlicher Blutung war die präklinische Transfusion von zwei Einheiten Vollblut der Versorgung mit Komponenten hinsichtlich der Senkung des Risikos für Tod oder Massivtransfusion innerhalb von 24 Stunden nicht überlegen. Sicherheitsbedenken wurden nicht gefunden. 

Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass neben einigen Datenlücken die Entscheidung zur Transfusion auf klinischer Einschätzung der Studienärzte beruhte und sie nicht verblindet war, somit sind sicher auch einige Patienten ohne lebensbedrohliche Blutung eingeschlossen worden. 

Ob sich auf dieser Datengrundlage die Evidenz für den logistisch einfacheren Ansatz von Vollblut im zivilen Bereich begründen lässt, erscheint für mich sehr fraglich. 

Pubmed

 

Für Sie gelesen von Th. Frietsch

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