Präoperative Akuttherapie der Anämie mit Eisen, EPO, Folsäure und Vit. B 12

Spahn DR et al. Effect of ultra-short-term treatment of patients with iron deficiency or anaemia undergoing cardiac surgery: a prospective randomised trial. Lancet 2019 epub ahead of print DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32555-8

Was passiert, wenn man die präoperative Anämie mit Hochdosis-intravenösem Eisen, Erythropoetin, Folsäure und Vitamin B 12 behandelt, den Patienten nicht wieder weg schickt, sondern einfach am nächsten Tag operiert? Kann das effektiv sein oder ist das vergeudete Liebesmühe? Oder gefährdet das den Patienten gar?

Bei über 1000 herzchirurgischen Patienten wurde am Universitätsspital Zürich bei Patienten mit Eisenmangel, aber noch ohne Anämie  (n=252) versus mit (n=253) Eisenmangel-Anämie (Hämoglobinwert (Hb) Frauen < 12g/dl, Männer < 13g/dl) entweder mit Placebo (n=501)behandelt oder 20 mg/kg Eisencarboxymaltose, 40 000 IU  Erythropoietin alpha + 1 mg Vitamin B12 beides subcutan und 5 mg Folsäure oral verabreicht.

Die Frage war, ob diese kurze Zeitspanne ausreicht, um die Transfusionsrate im gewünschten Sinne zu beeinflussen.

Und ja, sie ware ausreichend: 

Der Transfusionbedarf an Erythrozytenkonzentraten (EK's) innerhalb der ersten 7 Tage bzw. bis zur Zeitspanne von 3 Monate danach war signifikant geringer gegenüber der mit Placebo behandelten Kontrollgruppe (p= 0,036 bzw. p= 0,018). Die Notwendigkeit zur Transfusion aller Blutprodukte war in der Behandlungsgruppe während der ersten Woche bzw. der drei Monate ebenfalls signifikant geringer (p= 0,038 bzw. 0,019).

Die Einsparungen von 110 CHF beim Blutprodukte-Einkauf über die drei Monate waren zwar signifikant (Median 370 vs 480 CHF, p= 0,018), konnten aber die um über das 2fach gesteigerten Behandlungskosten (Median 1052 CHF vs. 480 CHF) nicht decken.

Interessanterweise gab es nicht nur keine Unterschiede in der Mortalität oder der Verweildauer auf Intensivstation oder Krankenhaus, sondern auch keine bei Komplikationen wie Ischämien wie Schlaganfall, Herzinfarkte und thromboembolischen Komplikationen.

Diese ultrakurze und hochdosierte Multitherapie bei EIsenmangel mit und ohne Anämie vor herzchirurgischen Operationen hat erstmalig überzeugend die Effektivität solch einer kurzfristigen Applikation von Eisen, Vit. B 12, Folsäure und Erythropoetin demonstriert.  Für eine statistisch gesicherte Aussage zur Sicherheit und Komplikationsrate dieser teuren Therapie war die Studie allerdings unterpowert.

Pubmed (noch nicht eingegeben)

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Für Sie gelesen von T. Frietsch

 

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