Thrombelastometrie reduziert die Mortalität!
Bomberg H et al. Differences in thromboelastometry parameters A10EXTEM and A10FIBTEM -as independent risk factors for mortality during bleeding. Langenbecks Arch Surg. 2026 Jun 18. doi: 10.1007
Die Forschungsgruppe hat in Homburg einen weiteren Beleg der Potenz von viskoelastischen Gerinnungsmethoden bei stark blutenden Verletzten erbracht.
Bisher war umstritten, welcher Parameter welches diagnostischen Verfahrens wie verlässlich für die Vorhersage eines bedeutsamen Behandlungsergebnisses ist. Während einer Blutung können die mittels Rotationsthromboelastometrie (Rotem) gemessenen Abnahmen von A10EXTEM und A10FIBTEM (Gerinnselfestigkeit nach 10 Minuten) Veränderungen des Fibrinbeitrags zur Gerinnselfestigkeit (FIBTEM) sowie des extrinsischen Gerinnungswegs (EXTEM) aufzeigen. Die klinische Bedeutung einer Abnahme von A10FIBTEM und A10EXTEM für die Risikostratifizierung bei Patienten mit Blutungen ist jedoch unklar.
Es wurden retrospektiv Daten von n=1942 aufeinanderfolgenden Patienten analysiert, die im Zeitraum von 2014 bis 2020 einer Blutung mittels Rotem untersucht worden waren. Der Zusammenhang von A10EXTEM und A10FIBTEM mit der 30-Tage-Mortalität ergab lediglich für A10EXTEM (C-Statistik 0,57; gewählter Schwellenwert ≤39 mm) eine Vorhersagekraft, während dies für A10FIBTEM nicht der Fall war. Die 30-Tage-Mortalitätsrate war bei Patienten mit A10EXTEM ≤39 mm (32 % gegenüber 16 %; p < 0,001) sowie bei Patienten mit A10FIBTEM <6 mm (25 % gegenüber 18 %; p = 0,03) signifikant erhöht. Die gewählten Schwellenwerte von A10EXTEM ≤ 39 mm (adjHR 1,7 [1,3–2,3], p < 0,001) und A10FIBTEM < 6 mm (adjHR 1,6 [1,1–2,2], p = 0,009) erwiesen sich auch nach Bereinigung um Störfaktoren als unabhängige Risikoprädiktoren für die 30-Tage-Mortalität. Die häufigste Todesursache in diesen Patientenkollektiven waren unkontrollierte Blutungen. Patienten mit A10FIBTEM < 6 mm erhielten signifikant häufiger Fibrinogen (A10FIBTEM < 6 mm: 2,7 ± 3,7 g gegenüber 0,5 ± 1,6 g; p < 0,001).
Die Autoren schlussfolgern, dass mittels A10EXTEM detektierte Veränderungen des extrinsischen Gerinnungswegs unabhängige Prädiktoren für die 30-Tage-Mortalität bei Patienten mit Blutungen sein könnten. Dennoch sind A10FIBTEM-Messungen erforderlich, um die Fibrinogen-Therapie zu optimieren.
Obwohl retrospektiv, ist diese Studie bemerkenswert, da sie es schafft, mit der 30-Tage-Sterblichkeit ein nennenswertes Outcome-Kriterium mit dem Einsatz viskoelastischer Methoden zu verbinden. Bislang sind nur wenige Einflüsse der Gerinnungsdiagnostik auf das Outcome nachgewiesen, obwohl sie eigentlich völlig naheliegend erscheinen.
Für Sie gelesen von Th. Frietsch