Bericht des IAKH Fehlerregisters bemängelt die Anwendungssicherheit von Blut in Deutschland

29.05.2017 13:09

Frietsch et al. Administration Safety of Blood Products – Lessons Learned from a National Registry for Transfusion and Hemotherapy Practice. Transfus Med Hemother 2017;44:1–15, epub ahead of print, DOI: 10.1159/000453320

Vergleicht man Produkt- und Anwnedungssicherheit von Blut und Blutprodukten klafft ein riesiger Spalt:

Das Fehlerregister der IAKH aus den ersten 5 Jahren (n= 138 Fälle) wurde ausgewertet und analysiert. Fehler im Anwendungsprozess von Indikationsstellung und Blutprobenentnahme bis zur Dokumentation der Transfusionereignen sich meist in OP und Intensivstation, in einem Viertel beim Teilschritt der Verabreichung der Transfusion am Patientenbett und zu 2 Drittel zur Routinearbeitszeit.

Art und Inhalt der Fehler-Meldungen geben uns allen Aufschluss darüber, wie wir die Anwendungssicherheit verbessern können, worauf wir achten müssen und worauf wir bei der Ausbildung und Anleitung von jungen Kollegen größeren Wert legen müssen. Damit wir weiter lernen können- MELDEN SIE im REGISTER bitte.

zur Literaturrezension

Neue ESA Leitlinien zum perioperativen Transfusionsmangement sind veröffentlicht

29.05.2017 09:53

Die neuen Leitlinien der europäischen Anästhesiegesellschaft zum evidenzbasierten Management der perioperativen Blutung und der damit verbundenen Hämotherapie sind veröffentlicht

Die erneuerten Leitlinien der europäischen Anästhesiegesellschaft ESA zum evidenzbasierten Management der perioperativen Blutung und der damit verbundenen Hämotherapie sind veröffentlicht. Sie sind gründlich, nehmen umfassend Stellung zu allen Aspekten der Transfusion und der Versorgung mit Blutprodukten, der Therapie mit Antithrombotika und Antikoagulantien, für jedes Fachgebiet getrennt, etc. Insgesamt sehr lesenwert. Zu unserer Rezension

Neues Update S3 Leitlinie zur Behandlung von Unfallopfern enthält Empfehlungen zum Transfusions- und Gerinnungsmanagement

15.01.2017 10:49

Das neue Update der deutschen S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletztenbehandlung: Publiziert in "Intensiv und Notfallbehandlung", Jahrgang 41, Nr. 4/2016, S. 133-143 von P. Hilbert-Carius, T. Wurm, H. Lier, M. Fischer, M. Helm, C. Lott, B.W. Böttger

Die S3-LL von 2011 (AWMF-Registemummer 012-019) ist jetzt erneuert und publiziert worden. Aktualisiert sind Empfehlungen zum Verhältnis der EKs zu FFP, dem Diagnostik- und Gerinnungsmanagement.

Weitere Änderungen sInd: 

-Transfusionsmanagement

  • Die Indikation für  EKs wird mit einer Mindestforderung des Hb-Spiegels von 7 -  9  g/dl(4,4- 5,6  mmol/l) belegt
  • FFP sollen bei zu erwartender Massivtransfusion frühzeitig, sonst restriktiv eingesetzt werden(GoR B)
  • Faktorenkonzentrate sollen bei kontrollierter Blutung bevorzugt und per POCT gesteuert eingesetzt werden
  • Tranexamsäure soll frühzeitig gegeben werden, möglichst prähospital und bis spätestens 3 h nach dem Trauma
  • Der empfohlene Fibrinogenspiegel soll über 1,5 g/l (150mg/dl) liegen (GoR B)
  • Das Verhältnis der Blutprodukte zueinander sollte FFP:EK:TK wie 4 : 4 : 1 betragen

-Gerinnungsmanagement

  • Die Trauma-induzierte Koagulopathie (TIC) wird als pathophysiologische Entität dargestellt
  • 9 Empfehlungen modifiziert, 10 neu hinzugefügt
  • Schockraum:der frühzeitige Einsatz von POCT/viskoelastische Testverfahren im Vollblut wird mit einer "Soll"-Empfehlung versehen
  • Ebenso empfohlen sind Verfahren zur Diagnostik von Antithrombotika und NOAK 
  • Die Behandlung von Hypothermie, Hypokalzämie und Azidose aufgewertet (GoR B)
  • 24h nach Trauma soll ein Antikoagulationsschema angeordnet werden 

-Volumenmanagement:

  • Haes-Lösungen werden nicht mehr empfohlen
  • Hypertone Lösungen können beim penetrierenden Trauma, beim hypotensive stumpfen Trauma und beim Schädel-Hirn-Trauma (SHT) TRauma eingesetzt werden (Kann-Empfehlung GoR 0) 

Insgesamt handelt es sich um eine vernünftige Aktualisierung der alten LL mit berechtigten Neuerungen.